Vorwort

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GRI 102-14

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was für eine Zahl: 2.400.000.000. Um 2,4 Milliarden Tonnen haben die weltweiten CO2-Emissionen 2020 im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Das ist der größte absolute Rückgang aller Zeiten.1 Wie sehr würden wir ihn unter normalen Umständen bejubeln! Doch von Normalität kann angesichts des anhaltenden Kampfes gegen COVID-19 keine Rede sein. Die ökologischen Erfolge beruhen überwiegend auf zwar notwendigen, aber nicht dauerhaften Einschränkungen unseres persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens.

Erforderlich ist ein grundlegender SpurWechsel, der auch unter „normalen“ Umständen — ohne Pandemie und Lockdown — zu sinkenden CO2-Emissionen führt: nicht durch die Einschränkung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens, sondern durch dessen Dekarbonisierung. Bei Daimler bekennen wir uns zu diesem SpurWechsel. CO2-neutrale Autos, Transporter, Lkw und Busse sind das Ziel. Für alle unsere Geschäftsfelder haben wir entsprechend nachhaltige Geschäftsstrategien formuliert. Allein in den nächsten fünf Jahren werden wir über 70 Milliarden Euro in ihre Umsetzung investieren, insbesondere in Elektrifizierung und Digitalisierung.

Elektrifizierung und Nachhaltigkeit

Mit unserer „Electric First“-Strategie bei Mercedes-Benz Cars gehen wir konsequent den Weg zur CO2-Neutralität. So konnten wir 2020 die Verkäufe unserer Plug-in-Hybride und vollelektrischen Fahrzeuge bei den Pkw und Transportern bereits mehr als verdreifachen. Vorbehaltlich der behördlichen Bestätigung haben wir damit die strengen europäischen CO2-Ziele erreicht. Ebenso wichtig: Wir trauen uns das auch für die nochmals verschärften Ziele 2021 zu. Dafür wächst die vollelektrische Familie von Mercedes-EQ in diesem und im nächsten Jahr auf insgesamt acht Modelle — von den Kompakten bis zum S-Klasse Segment. Den nächsten Schritt gehen wir mit EQA (Stromverbrauch kombiniert: 15,7 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km)2,3 und EQS. Beide werden in ihrem Segment zeigen, dass sich zeitgemäßer Luxus und Nachhaltigkeit gut in Einklang bringen lassen und neue Maßstäbe setzen. Unser langfristiges Ziel ist mit der „Ambition 2039“ gesetzt: Bis 2039 streben wir eine komplett CO2-neutrale Neuwagenflotte an.

Bei unseren Lkw und Bussen soll das Portfolio in den Hauptabsatzregionen bis 2022 Serienfahrzeuge mit batterieelektrischem Antrieb umfassen, bis 2039 ist es unsere Ambition, in Europa, Japan und Nordamerika nur noch Neufahrzeuge anzubieten, die im Fahrbetrieb CO2-neutral sind.

Den batterieelektrischen Stadtbus eCitaro produzieren wir bereits in Serie, noch in diesem Jahr folgt in Europa der batterieelektrische schwere Lkw eActros für den städtischen Verteilerverkehr. Für den emissionsfreien Fernverkehr verfolgen wir zwei Ansätze der Elektrifizierung: Batterie und Brennstoffzelle. Auf beides haben wir 2020 einen Ausblick gegeben — mit dem batterieelektrisch angetriebenen eActros LongHaul und dem Konzept-Lkw GenH2 Truck, der mit Brennstoffzelle und flüssigem Wasserstoff in der Serienvariante eine Reichweite von bis zu 1.000 Kilometern und mehr haben wird.

Parallel zu den Produkten wird auch unsere eigene Produktion ab 2022 CO2-neutral: in den Pkw- und Vans-Werken weltweit, in den Nutzfahrzeug-Werken in Europa. Als Blaupause dienen unsere Factory 56, in der bereits heute CO2-neutral, ressourcenschonend und vernetzt gefertigt wird, sowie die Batteriefabrik in Kamenz.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Den für viele sichtbarsten Wandel gab es 2020 bei der Digitalisierung. Innerhalb kürzester Zeit wurden Infrastruktur und Rechnerkapazitäten geschaffen, um Hunderttausende Beschäftigte mobil arbeitsfähig zu machen. Schon heute zeichnet sich ab: Was nach der Pandemie bleiben wird, ist eine flexiblere Arbeitswelt. Doch die tatsächlichen Veränderungen gehen weit darüber hinaus. Durch die 360-Grad-Vernetzung unseres weltweiten Produktionsnetzwerkes setzen wir neue Maßstäbe für die nachhaltige Produktion. Allein in der Factory 56 sparen wir beispielsweise rund zehn Tonnen Papier pro Jahr gegenüber einer nicht voll digitalisierten Fabrik ein. Und mit Angeboten wie Mercedes me Charge oder der EQ-optimierten Navigation motivieren wir unsere Kunden für CO2-neutrales Fahren.

Lieferkette und Nachhaltigkeit

Unser SpurWechsel betrifft auch die gesamte Lieferkette. Deshalb werden wir bei Mercedes-Benz künftig nur noch mit Lieferanten zusammenarbeiten, die sich verpflichten, konsequent auf die Senkung ihrer Emissionen hinzuwirken. Etwa die Hälfte unseres Mercedes-Benz Lieferantennetzwerks hat bereits bestätigt, bis 2039 nur noch CO2-neutrale Bauteile zu liefern. Davor wird es Zwischenziele geben. Auch die Achtung der Menschenrechte schreiben wir in unseren Lieferantenverträgen fest: Wer unser Geschäftspartner sein will, muss sich dazu verpflichten, potenzielle menschenrechtliche Risiken transparent zu machen und ihnen durch geeignete Maßnahmen zu begegnen. Kobalt und Lithium für Mercedes-Benz Pkw und schrittweise auch für Daimler Trucks werden unsere Lieferanten in Zukunft nur noch aus zertifiziertem Abbau beziehen und die Batteriezellen CO2-neutral fertigen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, den Einsatz kritischer Rohstoffe zu minimieren. An Bedeutung gewinnt in diesem Zusammenhang auch der Weg hin zur Kreislaufwirtschaft. Schon heute sind viele Mercedes-Pkw fast vollständig recycelbar. Künftig wollen wir den Energiebedarf, den Wasserkonsum und das Abfallaufkommen analog unserer eigenen Produktion in der gesamten Lieferkette weiter reduzieren — und so Wachstum und Ressourcenverbrauch zunehmend voneinander entkoppeln.

Kapitalmarkt und Nachhaltigkeit

Zu den Entwicklungen der vergangenen Jahre zählt auch das spürbar gestiegene Interesse des Kapitalmarktes an Nachhaltigkeitsthemen. Selten zuvor waren ESG-Informationen4 derart gefragt. Investoren nutzen nichtfinanzielle Kriterien zur Beurteilung finanzieller Chancen und Risiken in ihren Portfolios und potenzieller Investitionsobjekte. Wir begrüßen diese Entwicklung. Eine überzeugende Nachhaltigkeitsperformance sollte sich auch finanziell auszahlen — und umgekehrt. Gleichzeitig stellen wir uns auf eine wachsende Nachfrage nach grünen Investments ein. 2020 haben wir ein „Green Finance Framework“ entwickelt. Es legt die Grundsätze fest, nach denen wir beispielsweise unseren ersten Green Bond über eine Milliarde Euro emittiert haben. Die Nachfrage war enorm, die Anleihe mehrfach überzeichnet.

Optimismus und Nachhaltigkeit

Was wir in der öffentlichen Debatte im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit manchmal vermissen, ist Optimismus — nicht nur in Bezug auf den technologischen Fortschritt. Zugegeben, der notwendige Wandel zu selbstbestimmter und nachhaltiger Mobilität ist eines der größten Erneuerungsprojekte unserer Zeit. Er ist aber auch eines der wichtigsten und motivierendsten. Er geht weit über unser Unternehmen hinaus, auch über die Automobilindustrie. Er erfordert neue Bündnisse zwischen Wissenschaft, Politik, Geldgebern, Automobilunternehmen, Zulieferern, Energieversorgern und Gesellschaft. Und wer ihn systematisch vorantreibt, der kann nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich und sozial Mehrwert schaffen.

Dazu sind wir bei Daimler fest entschlossen. Wir wollen nach Kräften dazu beitragen und klar Verantwortung übernehmen. Was das konkret bedeutet, erfahren Sie auf den folgenden Seiten. Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und freuen uns auf einen produktiven Austausch!

Ihre

Signature Ola Källenius (Signature)
Ola Källenius Vorstandsvorsitzender
der Daimler AG und Mercedes-Benz AG
Signature Renata Jungo Brüngger (Signature)
Renata Jungo Brüngger Vorstandsmitglied
der Daimler AG und Mercedes-Benz AG
Integrität und Recht
Co-Vorsitzende des Group Sustainability Board
Signature Markus Schäfer (Signature)
Markus Schäfer Vorstandsmitglied der Daimler AG
Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars
Chief Operating Officer
Co-Vorsitzender des Group Sustainability Board

1Angaben gemäß Global Carbon Project: „Coronavirus causes ‚record fall’ in fossil-fuel emissions in 2020”

2Stromverbrauch und Reichweite wurden auf der Grundlage der VO 692/2008/EG ermittelt. Stromverbrauch und Reichweite sind abhängig von der Fahrzeugkonfiguration.

3Die tatsächliche Reichweite ist zudem abhängig von der individuellen Fahrweise, Straßen- und Verkehrsbedingungen, Außentemperatur, Nutzung von Klimaanlage/Heizung etc. und kann ggf. abweichen.

4Nachhaltigkeit firmiert am Kapitalmarkt in aller Regel unter dem Kürzel ESG: E = Environment, S = Social, G = Governance.

Anbieter/Datenschutz

Daimler AG Mercedesstraße 120
70372 Stuttgart
Deutschland
Tel.: +49 711 17 0
E-Mail: dialog@daimler.com

Vertreten durch den Vorstand: Ola Källenius (Vorsitzender), Martin Daum, Renata Jungo Brüngger, Wilfried Porth, Markus Schäfer, Britta Seeger, Hubertus Troska, Harald Wilhelm

Vorsitzender des Aufsichtsrats: Bernd Pischetsrieder

Handelsregister beim Amtsgericht Stuttgart, Nr. HRB 19360
Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 81 25 26 315