Menschenrechte

Social Compliance

Wir stellen Menschenrechte in den Fokus

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Mit dem Ausbau der Elektromobilität gewinnt auch das öffentliche Interesse an Menschenrechten in automobilen Lieferketten weiter an Bedeutung. Denn die Produktion von Elektromotoren und Akkus erfordert Rohstoffe wie beispielsweise Lithium und Kobalt. Diese Rohstoffe stammen zum Teil aus Ländern, in denen das Risiko besteht, dass sie unter menschenrechtlich kritischen Bedingungen abgebaut werden.

Auch bei Investoren beobachten wir ein wachsendes Interesse am Thema Menschenrechte, das zunehmend Investitionsentscheidungen beeinflusst. Und nicht zuletzt widmen sich die Gesetzgeber verstärkt dem Thema, wie etwa in Deutschland oder der Europäischen Union. Für die Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsanforderungen entlang der Lieferkette befürworten wir die Schaffung einheitlich akzeptierter Standards — idealerweise auf internationaler Ebene. Eine gesetzliche Regelung kann dabei helfen und Rechtssicherheit schaffen. Hierbei ist es wichtig, dass eine Regulierung auch in Zukunft gleiche Wettbewerbsbedingungen herstellt, um den fairen Wettbewerb zu fördern und Menschenrechte in globalen Wertschöpfungsketten zu stärken. Der Verantwortungsbereich menschenrechtlicher Sorgfalt muss dafür klar definiert werden: Sorgfaltspflichten sollten auf tatsächliche wirtschaftliche Einflussmöglichkeiten und juristische Durchgriffsmöglichkeiten entlang der Lieferkette begrenzt werden. Nur so können sie dem Anspruch der Angemessenheit und Umsetzbarkeit gerecht werden.

Die Achtung und Wahrung der Menschenrechte ist ein essenzieller Teil unseres Verständnisses von nachhaltigem und integrem Handeln. Wichtig ist: Menschenrechtlich kritische Aspekte variieren je nach Region, Lieferant, Rohstoff oder Dienstleistung und Lieferkette. Deshalb berücksichtigen wir bei unseren Aktivitäten zur Achtung und Wahrung der Menschenrechte nicht nur unsere eigenen Standorte, sondern nehmen risikobasiert die gesamte Lieferkette in den Blick.

So haben wir die Achtung der Menschenrechte im Konzern verankert

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Die 2019 gegründete Abteilung Social Compliance steuert die Umsetzung unseres Menschenrechts-Due-Diligence-Ansatzes (HRRS) federführend. Weitere funktionsübergreifende Teams arbeiten eng zusammen, um geeignete Präventiv- und Gegenmaßnahmen zu konzipieren. Diese Teams bestehen aus Menschenrechts- und Compliance-Experten sowie den operativen Einkaufsbereichen und — anlassbezogen — weiteren Fachbereichen. Die Fachbereiche tragen die Verantwortung dafür, die Maßnahmen umzusetzen und nachzuverfolgen.

Das Vorstandsressort Integrität und Recht der Daimler AG verantwortet die übergreifenden Aktivitäten zu Menschenrechten. Das zuständige Vorstandsmitglied entwickelt das Thema gemäß der eigenen Zielvereinbarung gemeinsam mit den Einkaufsbereichen weiter, lässt sich regelmäßig durch den Chief Compliance Officer und die entsprechenden Fachbereiche aus den Abteilungen Social Compliance und Corporate Responsibility Management über die Menschenrechtsaktivitäten informieren und erhält entsprechende Berichte.

Zusätzlich informieren die relevanten Einkaufsbereiche das Procurement Council sowie die für sie direkt zuständigen Vorstandsmitglieder über ihre jeweiligen Maßnahmen rund um Menschenrechte. Das Procurement Council tagt in der Regel einmal im Quartal und setzt sich aus den Leitern der drei Einkaufsbereiche bei Daimler zusammen. Der Gesamtvorstand hat die Aufsicht über Menschenrechtsthemen und wird dazu regelmäßig von allen beteiligten Fachexperten informiert. Zusätzlich tagt vierteljährlich das Group Sustainability Board (GSB), das aus den zuständigen Vorstandsmitgliedern besteht. Es prüft im Rahmen der nachhaltigen Geschäftsstrategie den Fortschritt unseres Menschenrechtsansatzes über eigens entwickelte Kennzahlen. Darüber hinaus berichten die beteiligten Fachbereiche an das GSB sowie jährlich und anlassbezogen an den Konzernvorstand.

Ein weiteres wichtiges Gremium ist der Beirat für Integrität und Unternehmensverantwortung. Der Beirat setzt sich aus externen, unabhängigen Mitgliedern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen und dient Daimler als wichtiger Impulsgeber. In regelmäßigen Sitzungen tauscht sich der Beirat mit Mitgliedern des Vorstands und weiteren fachlich Verantwortlichen von Daimler aus. Im Berichtsjahr fand zudem eine gemeinsame Sitzung mit Vorstand und Aufsichtsrat statt. Dabei standen aktuelle Themen und Herausforderungen auf der Agenda — beispielsweise der Daimler-Ansatz zur Wahrung der Menschenrechte in der Lieferkette.

An diesen Richtlinien und Referenzrahmen orientieren wir uns

Von zentraler Bedeutung für unsere Menschenrechtsaktivitäten und -richtlinien sind insbesondere folgende Referenzrahmen:

  • UN Global Compact
  • UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte
  • OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
  • Internationale Menschenrechtscharta inklusive der relevanten Rechte aus den UN-Zivil- und -Sozialpakten
  • Nationaler Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (Deutschland)
  • Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation
  • OECD-Leitlinien für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für Minerale aus Konflikt- und Hochrisikogebieten

Die für uns wichtigsten Menschenrechtsthemen, die wir identifiziert haben, wurden aus diesen Bezugsrahmen abgeleitet. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Chancengleichheit und Diskriminierungsverbot
  • Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen
  • Gesundheit und Sicherheit
  • faire Entlohnung und Arbeitszeiten
  • Zwangsarbeit
  • Kinderarbeit

Diese Themen spiegeln sich auch in den Anforderungen unserer Verhaltensrichtlinie und den Daimler Supplier Sustainability Standards für Lieferanten wider. Unsere Verhaltensrichtlinie wurde vom Gesamtvorstand als konzernweite Richtlinie genehmigt und verabschiedet. Zudem sind die für uns wichtigsten Menschenrechtsthemen die Grundlage unseres Menschenrechts-Due-Diligence-Prozesses sowie für unsere konkreten Maßnahmen in risikoreichen Konzerngesellschaften und Lieferketten.

Wir prüfen Menschenrechtsrisiken systematisch

Für die Achtung und Wahrung der Menschenrechte haben wir mit dem HRRS einen Due-Diligence-Ansatz entwickelt. Mit ihm überprüfen wir unsere Konzerngesellschaften, unsere direkten Lieferanten () sowie risikobasiert auch Lieferanten über Tier-1 hinaus.

Der Due-Diligence-Kreislauf des HRRS umfasst vier Schritte (Risikobeurteilung, Programmimplementierung, Kontrolle und Berichterstattung) und zielt darauf ab, systematisch Risiken und potenziell negative Auswirkungen unseres unternehmerischen Handelns auf die Achtung der Menschenrechte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden – und, falls erforderlich, adäquate Maßnahmen einzuleiten. Dieser Kreislauf leitet sich aus unserer Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte im Rahmen der für alle Beschäftigten geltenden Verhaltensrichtlinie ab. Für mögliche Beschwerden steht unser unternehmenseigener Beschwerdemechanismus, das Business Practices Office (BPO), zur Verfügung. Damit dient das HRRS neben dem Schutz des Unternehmens insbesondere auch dem Schutz Dritter, den sogenannten . Zum HRRS gehört daher vor allem auch der Austausch mit den Rechteinhabern — beispielsweise mit Beschäftigten sowie deren Vertretern, aber auch mit externen Dritten wie zivilgesellschaftlichen Gruppen oder der lokalen Bevölkerung vor Ort.

26 | Das Human Rights Respect System (HRRS)

Das Human Rights Respect System (HRRS) (Grafik)

Daimler baut das HRRS Schritt für Schritt weiter aus und bezieht dabei externe Stakeholder mit ein. Unter anderem tauschen wir uns mit internationalen NGOs zu menschenrechtlichen Risiken beim Abbau bestimmter Rohstoffe aus: So haben wir beispielsweise in Bezug auf Kobalt, Glimmer und Lithium spezialisierte NGOs und Gewerkschaften eingeladen, uns ihre Meinung zu den von Daimler bisher ergriffenen Maßnahmen mitzuteilen. Ebenso haben wir sie dazu aufgerufen, Vorschläge zu machen und Alternativen aufzuzeigen, die helfen, die Situation der betroffenen Personen oder Gemeinschaften zu verbessern. In welchem Umfang und wie häufig wir NGOs oder andere zivilgesellschaftliche Organisationen zurate ziehen, hängt von der jeweiligen Fragestellung ab und davon, in welchem Stadium der Risikoprüfung wir uns befinden.

Zudem führen wir einen jährlichen „Daimler Sustainability Dialogue“ durch. Dort diskutieren und prüfen wir unsere Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung unseres Managementansatzes. Anschließend werten die Fachbereiche die Ergebnisse und Impulse der Stakeholder aus und binden sie in ihre Arbeitsprozesse ein. Die Ergebnisse werden darüber hinaus auf unserer Website veröffentlicht.

Wie wir Menschenrechtsrisiken in den Konzerngesellschaften identifizieren und entgegenwirken

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Im Rahmen der Integration des HRRS in das Daimler-weite Compliance Management System werden die eigenen Konzerngesellschaften in Mehrheitsbeteiligung analog zu anderen Compliance-Feldern wie etwa Korruptionsprävention auf mögliche menschenrechtliche Risiken überprüft.

Im ersten Schritt werden die Konzerngesellschaften auf Basis festgelegter Kriterien klassifiziert: Dazu gehören beispielsweise landesspezifische und geschäftsspezifische Risiken. Der Fokus liegt dabei auf den für Konzerngesellschaften identifizierten wichtigsten Menschenrechtsthemen, die unter anderem Arbeitnehmerrechte, Diversität und Sicherheit umfassen. Dabei berücksichtigen wir zentrale menschenrechtliche Normen, die sich etwa aus der internationalen Menschenrechtscharta ergeben oder die von der Internationalen Arbeitsorganisation formuliert wurden.

Auf dieser Basis führen wir jährlich eine tiefergehende Analyse mithilfe einer Menschenrechtsumfrage durch und leiten daraus risikospezifische Maßnahmenpakete ab. In der Berichtsperiode kam diese neu entwickelte Methodik erstmalig bei Konzerngesellschaften mit einem erhöhten Risiko zum Einsatz. Die lokalen Compliance-Verantwortlichen, die Teil unseres weltweiten Compliance-Netzwerks sind, unterstützen bei der Beantwortung der Menschenrechtsumfrage in den Konzerngesellschaften. Um durch die Umfrage aussagekräftige Einblicke zu gewinnen, wurden die Compliance-Experten vorab in einem intensiven, auf sie zugeschnittenen Online-Training darauf geschult, die menschenrechtlichen Risiken unserer Fokusbereiche erkennen zu können. So konnten wir die konkreten Risiken vor Ort identifizieren und in Dialogen mit den Compliance-Verantwortlichen der jeweiligen Konzerngesellschaft weiter erschließen.

Die Ergebnisse dieser tiefergehenden Risikoanalyse werden entsprechend dokumentiert und fließen in die Entwicklung zielgerichteter Maßnahmen zur Minimierung menschenrechtlicher Risiken ein. Zu diesen Maßnahmen gehören etwa die Bereitstellung von Unterlagen zur zielgerichteten Kommunikation unserer Werte und Anforderungen im Umgang mit Beschäftigten und Geschäftspartnern sowie die verpflichtende Teilnahme an einer umfangreichen Onlineschulung zu Menschenrechten für Führungskräfte in Hochrisikomärkten. Für die kommenden Jahre planen wir die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Analysen sowie unserer risikominierenden Maßnahmen und sehen die Ausweitung auf alle Konzerngesellschaften in Mehrheitsbeteiligungen vor. Damit einher geht die Entwicklung von risikospezifischen Maßnahmenpaketen, die wir entsprechend der Risikoklassifizierung der jeweiligen Konzerngesellschaften zur Verfügung stellen. Diese dienen dazu, systematisch menschenrechtlichen Risiken vorzubeugen.

Wie wir Menschenrechtsrisiken in der Produktionsmaterial-Lieferkette identifizieren und entgegenwirken

Neben unseren Konzerngesellschaften legen wir ein besonderes Augenmerk auf unsere vorgelagerte Produktionsmaterial-Lieferkette: Hier ist es besonders wichtig, potenzielle menschenrechtliche Risiken und negative Auswirkungen frühzeitig zu erkennen — und zu vermeiden.

Die von uns für die Lieferkette identifizierten Menschenrechtsrisiken spiegeln sich in den Standards für unsere Lieferanten (Daimler Supplier Sustainability Standards) wider und umfassen unter anderem Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Arbeitnehmerrechte.

Dabei fokussieren wir uns auf 24 kritische Rohstoffe, deren rohstoffspezifische Schwerpunktthemen in einer tiefergehenden Risikoanalyse konkretisiert und eingegrenzt werden.

Je nach Verarbeitungsstufe des Produkts innerhalb der Lieferkette — zum Beispiel Bergwerk, Raffinerie, Verarbeitung oder Plantage — können die spezifischen Risiken variieren: So haben wir beispielsweise Kinderarbeit, Gesundheit und Sicherheit als dringlichste menschenrechtliche Risiken für Kobalt identifiziert, diese Risiken entstehen vor allem im Bergbau. Hingegen beziehen sich die mit der Beschaffung und Verarbeitung von Lithium verbundenen Risiken größtenteils auf die Rechte indigener Völker, die durch die Entnahme von lithiumhaltigem Salzwasser aus unterirdischen Seen beeinträchtigt werden können.

Für die Rohstoffe, die ein erhöhtes Risiko für Menschenrechtsverletzungen bergen, führen wir eine umfassende menschenrechtliche Überprüfung durch. Sie besteht im Wesentlichen aus drei Schritten:

  1. Wir schaffen entlang der Rohstofflieferketten Transparenz, insbesondere bei bestimmten Fokusbauteilen wie der Batteriezelle.
  2. Wir identifizieren in diesen Lieferketten Risiko-Hotspots.
  3. Wir definieren Maßnahmen für die Risiko-Hotspots, setzen sie um und stellen sicher, dass sie dauerhaft wirksam sind.

Bis Ende 2020 haben wir 24 Prozent aller Rohstoffe mit hohem Risiko auf diese Weise überprüft — und damit unser anvisiertes Ziel von 20 Prozent übertroffen. Wir wollen diesen Anteil Schritt für Schritt steigern: So wollen wir bis Ende 2021 30 Prozent und bis 2025 70 Prozent aller Rohstoffe mit hohem Risiko überprüfen. Letztlich sollen bis 2028 für 100 Prozent der Rohstoffe mit erhöhtem Risiko für Menschenrechtsverletzungen entsprechende Maßnahmen definiert werden

Mit Blick auf die Lieferkette haben die Mercedes-Benz AG und die Daimler Truck AG außerdem entschieden, zukünftig Batteriezellen mit Kobalt und Lithium aus zertifizierten Bergbaustandorten zu beziehen und gleichzeitig den Anteil an Kobalt deutlich zu reduzieren. Aus diesem Grund machen wir den branchenweit anerkannten „Standard for Responsible Mining“ der Initiative für Responsible Mining Assurance (IRMA) zu einem der Hauptkriterien für unsere Lieferantenentscheidungen.

Mehr zu unseren Maßnahmen zur Achtung und Wahrung der Menschenrechte in der Lieferkette lesen Sie hier:

Wie wir Beschäftigte für das Thema Menschenrechte sensibilisieren

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Über unsere Verhaltensrichtlinie informieren wir unsere Beschäftigten aktiv und regelmäßig zum Thema Menschenrechte und sensibilisieren sie für entsprechende Risiken. Die darin enthaltenen Bestimmungen sind für alle Daimler-Beschäftigten bindend. Je nach Tätigkeitsbereich gehören verpflichtende Trainings, in denen es auch um menschenrechtliche Fragestellungen geht, zum Einarbeitungsprozess neuer Beschäftigter. Die Inhalte werden zudem allen Beschäftigten in dem verpflichtenden Online-Trainingsmodul Integrity@Work vermittelt. Darin wird den Beschäftigten unter anderem vermittelt, welche Bedeutung Menschenrechte für Daimler und welche Relevanz sie im Arbeitsalltag haben. Zudem haben wir im September 2020 das neue Trainingsmodul Sustainability@Work konzernweit eingeführt, das ebenfalls zum Thema Menschenrechte aufklärt und sensibilisiert.

Den lokalen Compliance-Verantwortlichen kommt bei der Wahrung der Menschenrechte innerhalb der Konzerngesellschaften eine Schlüsselrolle zu. Entsprechend haben wir 2020 ein spezifisches Online-Training für die Compliance-Verantwortlichen und weitere themenspezifische Experten entwickelt. Es sensibilisiert für menschenrechtliche Risiken, die innerhalb der Konzerngesellschaften auftreten können. Der thematische Fokus liegt dabei auf den Risikobereichen, die im Rahmen einer ersten Risikoanalyse identifiziert wurden: Arbeitnehmerrechte, Diversität, Sicherheit und lokale Gegebenheiten. Zu Letzteren zählt insbesondere die länderspezifische Achtung bürgerlicher und politischer Rechte. Das für Compliance-Verantwortliche in Hochrisiko-Märkten verpflichtende Training steht seit Juli 2020 zur Verfügung. Das weltweite Netzwerk der Konzernsicherheit kann das Training ebenfalls nutzen, um die Beschäftigten über menschenrechtliche Risiken im Sicherheitsbereich und in Verbindung mit Sicherheitsdienstleistungen zu sensibilisieren.

Beschäftigte der Verwaltung sowie der kontrollierten Mehrheitsgesellschaften der Daimler AG wurden im Berichtsjahr in drei verschiedenen Trainingsmodulen zu Menschenrechten geschult. Insgesamt wurden so 298.840 Trainings mit Menschenrechtsbezug absolviert, was rund 25.088 Stunden Schulung allein für menschenrechtliche Inhalte entspricht.

Auch unsere Lieferanten sind über unsere Nachhaltigkeitsstandards aufgefordert, Menschenrechte zu achten. Alle externen Lieferanten haben Zugriff auf unser Compliance Awareness Module, in dem unternehmerische Verantwortung im Bereich Menschenrechte in einem eigenen Kapitel thematisiert wird.

Wir setzen auf hohe Sozialstandards bei Werk- und Dienstverträgen unserer Dienstleister

Unsere Standards für Werk- und Dienstverträge gehen in vielen Bereichen über gesetzliche Vorgaben hinaus. Sie enthalten Anforderungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, zur Unterbringung und Vergütung, zum Einsatz von Zeitarbeitnehmern, zur Beauftragung von Subunternehmern sowie zur Vermeidung von verbotener Scheinselbstständigkeit. Diese Standards gelten für alle Aufträge, die mehr als zwei Monate umfassen und die physisch auf dem Betriebsgelände der Daimler AG in Deutschland ausgeführt werden. Alle relevanten Werkvertragsunternehmer beziehungsweise Dienstleister müssen eine Erklärung unterschreiben, dass sie die Standards einhalten. Nur unter dieser Voraussetzung kommen sie für Aufträge infrage. Ein Audit-Team des Einkaufsbereichs für Dienstleistungen (IPS) überprüft bei ausgewählten Lieferanten, ob die Standards in Deutschland auch eingehalten werden.

Wir gehen Beschwerden konsequent nach

Beschäftigte und externe Dritte können über verschiedene Kanäle auf vermutete Menschenrechtsverletzungen hinweisen und Abhilfe einfordern — so, wie es der dritten Säule der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte „Zugang zu Abhilfe“ entspricht. Zu diesen Kanälen gehören beispielsweise unser Hinweisgebersystem BPO (Business Practices Office) oder die Weltarbeitnehmervertretung.

Über das BPO können sowohl Beschäftigte von Daimler als auch externe Personen Hinweise auf Fehlverhalten gegen Gesetze oder interne Regelungen melden. Eine weltweit gültige Konzernrichtlinie berücksichtigt sowohl den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit für den Betroffenen als auch den Schutz des Hinweisgebers und legt eine faire und transparente Vorgehensweise fest. Ebenso gibt die Richtlinie den Maßstab für die Beurteilung sowie die Folgen eines Regelverstoßes vor. Das BPO ist in allen Sprachen postalisch, per E-Mail oder per Meldeformular über das Internet erreichbar. In Brasilien, Japan, Südafrika und den USA gibt es zusätzlich eine gebührenfreie Hotline in der jeweiligen Landessprache sowie in Englisch. Hinweise in internationalen Sprachen werden entsprechend übersetzt. Sofern lokal rechtlich zulässig, sind auch anonyme Hinweise möglich. In Deutschland steht Hinweisgebern als zusätzliche Anlaufstelle ein externer Neutraler Mittler zur Verfügung. Auch ihm können sich Hinweisgeber anvertrauen, wenn sie konkrete Anhaltspunkte für Regelverstöße im Zusammenhang mit Daimler haben.

Nach Eingang des Hinweises führt das BPO eine risikobasierte Erstbeurteilung des potenziellen Regelverstoßes durch. Bei Hinweisen mit hohem Risiko für das Unternehmen erfolgt eine rechtliche Vorprüfung des Falles. Erhärtet sich der Verdacht, wird der Fall mit einem konkreten Untersuchungsauftrag der zuständigen Untersuchungseinheit zugewiesen.

Eines der Themen, für die das Hinweisgebersystem BPO zuständig ist, sind explizit mögliche Verletzungen von Menschenrechten — etwa die Verletzung der Prinzipien des UN Global Compact. Weitere Zuständigkeiten des BPO mit menschenrechtlichem Bezug sind schwere Fälle von sexueller Belästigung, Diskriminierung und Rassismus.

Im Jahr 2020 wurden im Rahmen unserer Prüfungen innerhalb des Daimler-Konzerns keine Verdachtsfälle auf Kinder- oder Zwangsarbeit, auf Verstöße gegen das Recht auf Kollektivverhandlungen oder die Vereinigungsfreiheit festgestellt. Eine geringe Zahl an Hinweisen mit Bezug zu sexueller Belästigung, Diskriminierung und Rassismus wurde im Berichtsjahr vom BPO aufgenommen und von den zuständigen Bereichen, zum Beispiel der Konzernsicherheit, geprüft. Bei bestätigtem Verdacht folgten in diesen Fällen dem Verstoß verhältnismäßige und angemessene Konsequenzen.

So bewerten wir die Wirksamkeit unseres Managementansatzes

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Wir arbeiten weiterhin konsequent daran, dass Menschenrechte in unseren Konzerngesellschaften und Lieferketten gewahrt und geachtet werden. Im Berichtsjahr sind wir einen bedeutenden Schritt weitergekommen: So hat der Vorstand der Daimler AG entschieden, Jahresziele im Bereich Menschenrechte vergütungsrelevant zu machen. Ab 2021 soll sich die variable Vergütung der Führungskräfte auch daran knüpfen, ob die Ziele im Rahmen des KPIs zur Achtung und Wahrung von Menschenrechten im Zusammenhang mit dem Einkauf von Produktionsmaterial erreicht worden sind.

Im Berichtsjahr haben wir außerdem damit begonnen, eine eigenständige Menschenrechtsrichtlinie zu entwickeln. Sie soll für alle kontrollierten Konzerngesellschaften gelten.

Darüber hinaus planen wir weltweit eine Vielzahl von Maßnahmen, um die Achtung und Wahrung der Menschenrechte weiter zu stärken und zu verankern — im Kern geht es darum, mehr Transparenz zu schaffen, weiter für das Thema zu sensibilisieren und die Wirksamkeit unseres Engagements zu messen: So wollen wir relevante Rohstoff-Lieferketten transparenter machen, unsere Risikoanalysen für unsere Konzerngesellschaften ausweiten und konkrete Maßnahmen entwickeln, um menschenrechtliche Risiken auch bei unseren Dienstleistern zu minimieren.

Im Berichtszeitraum haben wir unsere Maßnahmen im Bereich Menschenrechte regelmäßig überprüft und unseren Managementansatz bei Bedarf angepasst. Unter anderem haben wir unsere Risikoanalyse für Konzerngesellschaften und unseren Menschenrechtsfragebogen überarbeitet. Auch haben wir den ersten Schritt gemacht, um diese tiefergehende Risikoanalyse auf weitere Konzerngesellschaften auszuweiten. Zudem haben wir unseren Ansatz für die Überprüfung von Risikorohstoffen weiterentwickelt und um zusätzliche Tools und Prozesse ergänzt.

Um menschenrechtliche Risiken in unseren Rohstoff-Lieferketten gezielt adressieren zu können, richten wir unsere Aktivitäten an den „OECD-Leitlinien für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für Minerale aus Konflikt- und Hochrisikogebieten“ aus. Unser Ziel ist es, dass unsere Prozesse bestmöglich mit den Anforderungen der OECD-Leitlinien übereinstimmen. Zu diesem Zweck haben wir unsere Prozesse in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen RCS Global überprüft. Dabei identifizierte Verbesserungspotenziale gehen wir direkt an – etwa durch eine Überarbeitung unserer Supplier Sustainability Standards, die wir für das Jahr 2021 planen.

In die Weiterentwicklung unseres Managementansatzes für Menschenrechte ist auch das Feedback unserer Stakeholder aus der Menschenrechts-Arbeitsgruppe des „Daimler Sustainability Dialogues“ eingeflossen.

Anbieter/Datenschutz

Daimler AG Mercedesstraße 120
70372 Stuttgart
Deutschland
Tel.: +49 711 17 0
E-Mail: dialog@daimler.com

Vertreten durch den Vorstand: Ola Källenius (Vorsitzender), Martin Daum, Renata Jungo Brüngger, Wilfried Porth, Markus Schäfer, Britta Seeger, Hubertus Troska, Harald Wilhelm

Vorsitzender des Aufsichtsrats: Bernd Pischetsrieder

Handelsregister beim Amtsgericht Stuttgart, Nr. HRB 19360
Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 81 25 26 315

Tier-1

Tier-1 (Ebene-1) bezeichnet die erste vorgelagerte Stufe der Wertschöpfungskette, die direkten Zulieferer. Die weiteren Stufen der Wertschöpfungskette, also alle Vorlieferanten, werden als Tier-2 bis Tier-N gekennzeichnet.

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Rechteinhaber

Als Rechteinhaber beschreibt man in der Rechtswissenschaft Personen und andere Rechtsträger (Organisationen oder Lebewesen), die über bestimmte, von der Rechtsordnung anerkannte Rechte verfügen.

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