Lieferkette

Wir haben die Lieferkette im Blick

GRI 103-1

Mehr Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette — das fordern Investoren, Analysten, aber auch die Gesetzgeber und die Gesellschaft immer stärker von der Automobilindustrie. Denn insbesondere mit dem Ausbau der E-Mobilität rückt die vorgelagerte Wertschöpfungskette in den Fokus: So ist vor allem die Batterieherstellung energieintensiv und verursacht hohe CO2-Emissionen. Zudem werden für Akkus Rohstoffe wie Lithium oder Kobalt benötigt. Doch bei ihrem Abbau und ihrer Verarbeitung besteht die Gefahr von Menschenrechtsverletzungen und negativen Umweltauswirkungen. Denn sie stammen zum Teil aus Ländern, in denen keine hinreichenden ökologischen und sozialen Standards gelten.

Daimler ist überzeugt: Wer nachhaltig sein will, muss auch in der Lieferkette ansetzen. Denn wir beziehen indirekt Rohstoffe sowie direkt Bauteile und Dienstleistungen aus der ganzen Welt. Unser Ziel ist es, wirtschaftlichen Erfolg mit verantwortungsvollem Handeln gegenüber Umwelt, Mensch und Gesellschaft zu verbinden — und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Entsprechend nehmen wir auch unsere direkten Lieferanten in die Pflicht und erwarten von ihnen, sich an ökologische und soziale Standards zu halten.

Ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement bietet außerdem viele Chancen: Durch unser Engagement können wir dazu beitragen, weltweit gute Geschäftspraktiken auf den Märkten zu etablieren — und damit einen wertvollen Beitrag zur Achtung und Wahrung der Menschenrechte sowie dem Schutz der Umwelt und des Klimas zu leisten. Gleichzeitig festigen wir mit einem nachhaltigen Lieferkettenmanagement das Vertrauen unserer Stakeholder in Daimler als verantwortungsvollen Partner.

Wir steuern unsere Lieferkette nachhaltig

GRI 103-2

GRI 102-9/-10

Unsere Fahrzeuge enthalten in der Regel mehrere Tausend Teile und Komponenten. Entsprechend komplex ist unsere Lieferkette: Sie umfasst für Produktions- und Nichtproduktionsmaterial rund 60.000 direkte Lieferanten, vor allem aus den Regionen Europa, Nordamerika und Asien. Diese haben wiederum Sublieferanten. Manchmal besteht eine Lieferkette aus bis zu sieben oder acht Unterstufen mit jeweils weiteren Sublieferanten pro Stufe. Und mit jeder Innovation und Marktentwicklung entwickelt sie sich dynamisch weiter — so auch im Berichtszeitraum.

Um unsere Lieferkette nachhaltig zu steuern, setzen wir vielfältige Maßnahmen und Konzepte ein. Hierzu gehören Lieferanten-Screenings, Audits, risikobasierte Due-Diligence-Analysen sowie Qualifizierungsmodule für Produktionsmaterial-Lieferanten und zusätzliche Workshops mit ausgewählten Dienstleistern. Dadurch wollen wir einerseits sicherstellen, dass Sozialstandards und Umweltauflagen eingehalten werden. Andererseits wollen wir die Transparenz in der Lieferkette erhöhen.

Unsere drei Einkaufsbereiche „Mercedes-Benz Cars Einkauf und Lieferantenqualität“, „Global Procurement Trucks & Buses“ sowie „International Procurement Services“ arbeiten gemeinsam daran, Materialien und Dienstleistungen verantwortungsvoll zu beziehen.

Dabei bilden die Daimler Supplier Sustainability Standards die Leitplanken für unser nachhaltiges Lieferkettenmanagement. Sie definieren Anforderungen an Arbeitsbedingungen, die Achtung und Wahrung der Menschenrechte, Umweltschutz und Sicherheit sowie Geschäftsethik und Compliance. Die Supplier Sustainability Standards fokussieren sich unter anderem auf folgende Menschenrechts-, Compliance- und Umweltaspekte:

  • freie Wahl der Beschäftigung
  • Ächtung von Kinderarbeit
  • Chancengleichheit und Diskriminierungsverbot
  • Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen
  • Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
  • Fairness bei Löhnen, Arbeitszeiten und Sozialleistungen
  • fairer Wettbewerb
  • Vermeidung von Interessenkonflikten
  • Wahrung von Geschäftsgeheimnissen
  • umweltfreundliche Produktion und Produkte
  • Produktsicherheit und -qualität

Unsere direkten Lieferanten sind aufgefordert, diese Nachhaltigkeitsstandards anzuerkennen, sie ihren Beschäftigten zu vermitteln und auch in ihre vorgelagerten Wertschöpfungsketten hineinzutragen. Ebenso erwarten wir von ihnen, dass sie deren Einhaltung kontrollieren. Die Mercedes-Benz AG hat dazu im Rahmen eines Pilotprojekts einen Blockchain-Prototyp entwickelt. Mit ihm können Informationen und Dokumente, zum Beispiel Zertifikate oder , transparent und nachvollziehbar entlang der Lieferkette weitergegeben werden. Den Ansatz verfolgen Mercedes-Benz Cars & Vans seit 2020 in einem daran anknüpfenden Projekt weiter. Nach erfolgreichem Projektabschluss kann dieser auch auf die Bedarfe von Daimler Trucks & Buses angepasst werden.

Unsere Nachhaltigkeitsanforderungen an Lieferanten haben wir im Berichtsjahr weiter geschärft und unsere Vertragsbedingungen entsprechend angepasst. So fordern wir von unseren direkten Lieferanten beispielsweise, Prozesse zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht gemäß den Vorgaben der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie der jeweils relevanten OECD-Leitsätze und Prinzipien zu etablieren. Dabei behalten wir uns das Recht vor, diese Prozesse zu kontrollieren und zu auditieren. Darüber hinaus ist der Lieferant verpflichtet, uns über identifizierte menschenrechtliche Risiken und Gegenmaßnahmen zu informieren sowie uns auf Anfrage Risiko-Hotspots entlang seiner Lieferkette offenzulegen. Auch im Hinblick auf unsere umweltspezifischen Anforderungen haben wir die Vertragsbedingungen angepasst. So fordern wir beispielsweise von direkten Lieferanten, die das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars & Vans mit Produktionsmaterial beliefern, dass sie bestimmte Umweltkennzahlen offenlegen — dazu zählen etwa CO2-Emissionen, Energie- und Wasserverbrauch sowie Abfallmengen.

So stellen wir die Einhaltung unserer Standards sicher

GRI 414-1

GRI 308-1

Wir prüfen systematisch, ob unsere Standards eingehalten werden. Die Bewertung neuer und bestehender Lieferanten gemäß Nachhaltigkeitsstandards ist fest in den Prozessen unserer drei Einkaufsbereiche verankert:

International Procurement Services, zuständig für den Einkauf von Nichtproduktionsmaterial, bewertet alle neuen Lieferanten in Risikoländern und kritischen Einkaufsbereichen im Hinblick auf Sozial- und Umweltstandards, Geschäftsethik und den Umgang mit Richtlinien. Zudem tritt der Einkaufsbereich mit ausgewählten Lieferanten weltweit in den Dialog und tauscht sich zum Thema Menschenrechte aus. Alle bestehenden Dienstleister überprüft International Procurement Services jedes Jahr auf Auffälligkeiten hinsichtlich sozialkritischer Aspekte. Zusätzlich prüft ein Audit-Team, ob die Dienstleister in Deutschland gesetzliche und tarifliche Rahmenbedingungen und ob Lieferanten die Daimler-Vorgaben einhalten.

Mercedes-Benz Cars Einkauf und Lieferantenqualität sowie Global Procurement Trucks & Buses (beide zuständig für den Einkauf von Produktionsmaterial) überprüfen alle neuen Lieferanten vor einer möglichen Beauftragung vor Ort im Hinblick auf Nachhaltigkeitsstandards. Dabei werden insbesondere Fragen zu Sozialstandards wie etwa Arbeitszeiten, Entlohnung und Vereinigungsfreiheit gestellt. In risikoreichen Ländern ist die Prüfung noch umfassender und enthält als festen Bestandteil die Überprüfung des Themas Kinderarbeit.

Auch bestehende direkte Lieferanten überprüfen wir im Rahmen regelmäßiger Risikoanalysen. Unter anderem führen wir eine jährliche Datenbankrecherche zu Nachhaltigkeits- und Compliance-Verstößen durch. Sie ist Teil des Supplier-Screening-Prozesses. Durch diese Prüfungen wollen wir mögliche Verstöße frühzeitig anhand aktueller Daten der Lieferanten erkennen. Im Jahr 2020 wurden bei Produktionsmateriallieferanten insgesamt 658 Vor-Ort-Überprüfungen durchgeführt. Bedingt durch die Corona-Pandemie, fanden ausnahmsweise auch virtuelle Audits statt.

Darüber hinaus prüfen wir nicht nur soziale Aspekte, sondern auch, ob Lieferanten über ein Umweltzertifikat verfügen. Von Lieferanten, die uns mit Produktionsmaterial versorgen, fordern wir ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem gemäß ISO 14001, EMAS oder vergleichbaren Standards. Gleiches gilt risikobasiert auch für Lieferanten von Nichtproduktionsmaterial, wie beispielsweise Lackierdienstleistungen. Besitzt der Lieferant kein zertifiziertes Umweltmanagementsystem, hat er zwei Jahre Zeit, um ein solches System einzurichten und zertifizieren zu lassen. Falls dies nicht geschieht, wird gegebenenfalls von einer Neubeauftragung abgesehen.

Für ein wirksames nachhaltiges Lieferantenmanagement legen wir großen Wert auf die Vergleichbarkeit der Bewertungen. Deshalb arbeiten wir auch mit standardisierten Instrumenten wie dem branchenweiten Fragebogen zur Nachhaltigkeit (Self-Assessment Questionnaire) der europäischen Nachhaltigkeitsinitiative „Drive Sustainability“. Mercedes Benz Cars & Vans fordert die Beantwortung des Self-Assessment Questionnaires von allen seinen Lieferanten ein. Auch bei Daimler Trucks & Buses wurde die Nachhaltigkeitsleistung neuer Lieferanten sowie risikobasiert bei bestehenden Lieferanten im Berichtsjahr anhand von Self-Assessment-Fragebögen bewertet.

Hinweisen auf Fehlverhalten gehen wir systematisch nach

Kommen bei den Vor-Ort-Audits oder Datenbankrecherchen hinsichtlich der Nachhaltigkeitsleistung eines neuen oder bestehenden Lieferanten Zweifel auf, veranlasst der zuständige Einkaufsbereich eine tiefergehende Überprüfung. Stoßen wir auf Auffälligkeiten, führen wir beispielsweise Lieferantenbefragungen durch. Den betroffenen Lieferanten stellen wir hierzu eine Reihe fallspezifischer Fragen. Dabei müssen sich die Lieferanten beispielsweise zu ihrem Nachhaltigkeitsmanagement oder zur Einbindung ihrer eigenen Lieferanten äußern. Deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Nachhaltigkeitsleistung unzureichend ist, halten wir unsere Lieferanten dazu an, die entsprechenden Prozesse zu verbessern. Sofern die bemängelten Prozesse vom Lieferanten nicht ausreichend verbessert werden, entscheiden wir individuell über die weiteren Schritte — in besonders schweren Fällen auch in Managementgremien. Dabei kann es in letzter Konsequenz auch dazu kommen, dass wir uns von einem Lieferanten trennen.

Wir fördern den verantwortungsvollen Umgang mit Daten bei Lieferanten

Vor der Beauftragung eines Dienstleisters, der personenbezogene Daten verarbeitet, prüfen wir, ob dieser die erhaltenen Daten im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), verarbeiten kann. Dabei kommt es entscheidend darauf an, ob der Dienstleister angemessene technische und organisatorische Maßnahmen hinsichtlich der Datensicherheit nachweisen kann.

Wir sensibilisieren und qualifizieren unsere Lieferanten

Grundlagen für ein erfolgreiches Nachhaltigkeitsmanagement in der Lieferkette sind ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit sowie das Wissen, wie die geltenden Anforderungen konkret umgesetzt werden können. Dementsprechend sensibilisieren und informieren wir unsere Lieferanten schon seit vielen Jahren durch entsprechende Schulungsmodule, wo sinnvoll auch im Rahmen unserer Verbandsarbeit.

Seit 2018 haben wir gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsinitiative „Drive Sustainability“ Sensibilisierungs- und Informationsmaßnahmen für Lieferanten in verschiedenen Fokusländern wie Indien oder Argentinien durchgeführt. Die Fokusländer wählen wir gemeinsam mit der Initiative aus. 2020 haben aufgrund der COVID-19-Pandemie jedoch keine Präsenzmodule stattgefunden. Stattdessen wurde ein Konzept für ein neues E-Learning-Programm umgesetzt.

Auf Grundlage unserer Nachhaltigkeitsstandards für Lieferanten und unserer Verhaltensrichtlinie haben wir zudem das „Supplier Compliance Awareness Module“ entwickelt. Es unterstützt Lieferanten dabei, mit möglichen Integritäts- und Compliance-Risiken umzugehen. Das Compliance Awareness Module soll den Lieferanten einen Überblick über die aktuell bei Daimler geltenden Grundsätze zu Compliance geben und ihnen die Erwartungshaltung des Unternehmens vermitteln. Es beinhaltet verschiedene Fallbeispiele zu unseren Compliance-Themenfeldern und bietet dadurch Hilfestellung und Orientierung. Außerdem machen wir darin deutlich, welche Erwartungen wir in puncto Integrität an Lieferanten haben, und informieren zu rechtlichen Vorgaben und ethischen Standards. Alle Lieferanten können über das Daimler Supplier Portal rund um die Uhr auf das Modul zugreifen. Zudem können sie das Modul an ihre eigenen Geschäftspartner in der Lieferkette weitergeben.

Im Dienstleistungsbereich sensibilisieren wir durch weitere Maßnahmen insbesondere zum Thema Menschenrechte. Beispielsweise kommt im Rahmen von „Good Practice Sharing Workshops“ — seit dem Frühjahr 2020 auch digital durchgeführt — ein funktionsübergreifendes Team aus dem Einkauf mit Lieferanten zusammen. Dabei geht es um einen offenen und konstruktiven Austausch der Beteiligten. Gleichzeitig informieren wir hierbei, welche Erwartungen wir an unsere Geschäftspartner stellen.

Wir engagieren uns in Branchenverbänden und Initiativen

Daimler engagiert sich seit Langem in verschiedenen Branchen- und Industrieverbänden, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Lieferkette auseinandersetzen. Diese Mitgliedschaften helfen uns, die Nachhaltigkeit in komplexen Lieferketten zu verbessern, indem wir gemeinsame Maßnahmen vorantreiben. Dazu gehören:

  • UN Global Compact: Daimler ist Mitglied der LEAD-Gruppe und Teilnehmer in zwei sogenannten Action Platforms (Decent Work in Global Supply Chains und Reporting).
  • Deutsches Global Compact Netzwerk: Daimler ist Themenpate für Menschenrechte und Mitglied im Lenkungskreis.
  • econsense — Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e. V.: Daimler ist Themenpate für Menschenrechte und Mitglied des Clusters Menschenrechte & Wertschöpfung.
  • Verband der Automobilindustrie (VDA): Daimler setzt sich auch als VDA-Mitglied für Nachhaltigkeit in der Lieferkette ein. Derzeit entwickelt der VDA mit seinen Mitgliedsunternehmen einen standardisierten Prüf- und Austauschmechanismus zur Evaluierung der Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen in automobilen Lieferketten. Ziel ist die Verbesserung von Nachhaltigkeit in Lieferketten mittels Vor-Ort-Assessments und deren Nachverfolgung.
  • Drive Sustainability: Daimler ist LEAD-Partner der europäischen Brancheninitiative der Automobilindustrie „Drive Sustainability“, die sich für Nachhaltigkeit in der Lieferkette einsetzt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die gemeinsamen „Automotive Industry Guiding Principles to Enhance Sustainability Performance in the Supply Chain“. Mit ihnen verfügen wir über weltweit anerkannte soziale und ökologische Mindeststandards für die Lieferkette.
  • „Branchendialog Automobilindustrie“ des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte (NAP): Daimler nimmt am NAP-Branchendialog der Automobilindustrie teil. Ziel es ist, gemeinsam mit Vertretern aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik, Wirtschaft und Verbänden Lösungen zu erarbeiten, um Menschenrechte in Wertschöpfungsketten zu stärken.

Wir setzen uns für Menschenrechte in unseren Lieferketten ein

Um unsere Lieferketten nachhaltiger zu gestalten, gilt es, die Transparenz und Rückverfolgbarkeit weiter zu verbessern — nur so können wir potenzielle menschenrechtliche Risiken und negative Auswirkungen frühzeitig erkennen. Deshalb setzen wir auf umfassende Maßnahmen, um unserer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen.

So überprüfen wir unsere Lieferketten

GRI 414-2

Mit unserem Due-Diligence-Ansatz, dem Human Rights Respect System, untersuchen wir, ob menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in unserer Lieferkette eingehalten werden. Im Rahmen einer Vorab-Risikoabschätzung haben wir 24 Rohstoffe und 27 Dienstleistungen identifiziert, deren Einsatz, Gewinnung oder Weiterverarbeitung menschenrechtlich potenziell kritisch sind. Grundlage der Risikoabschätzung sind verschiedene internationale Referenzdokumente, wie beispielsweise die „Child and Forced Labour List“ des US-Arbeitsministeriums. Dabei spielen Abbaumethoden und -länder eine wichtige Rolle. Auch im Bereich Dienstleistungen ziehen wir zusätzlich zur Risikoabwägung Indizes heran, die dabei helfen, die Länder in den Fokus zu nehmen, in denen Menschenrechte ebenfalls einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind.

Für die Rohstoffe, die ein erhöhtes Risiko für Menschenrechtsverletzungen bergen, führen die Einkaufsbereiche der Mercedes-Benz AG und der Daimler Truck AG gemeinsam eine umfassende menschenrechtliche Überprüfung durch. Dabei übernehmen die Geschäftsfelder für bestimmte Rohstoffe jeweils eine Mandatsfunktion für das Assessment.

Diese Überprüfung besteht im Wesentlichen aus drei Schritten:

  1. Wir schaffen entlang der Rohstoff-Lieferketten Transparenz — insbesondere bei bestimmten Fokusbauteilen wie der Batteriezelle.
  2. Wir identifizieren in diesen Lieferketten Risiko-Hotspots.
  3. Wir definieren Maßnahmen für die Risiko-Hotspots, setzen sie um und stellen sicher, dass sie wirksam sind.

Bis Ende 2020 haben wir 24 Prozent aller Rohstoffe mit hohem Risiko auf diese Weise überprüft — und damit unser anvisiertes Ziel von 20 Prozent übertroffen. Wir wollen diesen Anteil Schritt für Schritt steigern: So wollen wir bis Ende 2021 30 Prozent und bis 2025 70 Prozent aller Rohstoffe mit hohem Risiko überprüfen. Letztlich sollen bis 2028 für 100 Prozent der Rohstoffe mit erhöhtem Risiko für Menschenrechtsverletzungen entsprechende Maßnahmen definiert werden.

33 | Kritische Rohstoffe und Dienstleistungen in der Lieferkette

Kritische Rohstoffe und Dienstleistungen in der Lieferkette (Grafik)

Bei kritischen Rohstoffen verfolgen wir den Ansatz „Befähigung vor Rückzug“

Daimler schließt Konflikt- und Hochrisikogebiete als Bezugsquellen kritischer Rohstoffe nicht generell aus. Unser Ansatz zielt vielmehr darauf ab, die Situation vor Ort für die Menschen zu verbessern und deren Rechte zu stärken. Damit folgen wir auch der Empfehlung von NGOs, Politik und anderen relevanten Interessengruppen, sich nicht aus kritischen Ländern zurückzuziehen. In diesem Zusammenhang ist der Grundsatz „Befähigung vor Rückzug“ von besonderer Bedeutung: Wir wollen in unseren Lieferketten einen aktiven Beitrag leisten, um Mensch und Umwelt besser zu schützen — und uns nicht von Problemen abwenden. Dafür arbeiten wir eng mit relevanten Stakeholdern in den rohstoffspezifischen Lieferketten zusammen.

Kobalt: Die Achtung und Wahrung der Menschenrechte in der Lieferkette hat für uns oberste Priorität

Kobalt ist ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Batterien von elektrisch betriebenen Pkw und Nutzfahrzeugen. Die weltweit größten Vorkommnisse befinden sich in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo). Um menschenrechtliche Risiken besser identifizieren und ihnen in Kooperation mit unseren Lieferanten entgegenwirken zu können, ist Transparenz eine grundlegende Voraussetzung.

Mercedes-Benz Cars & Vans lässt seit 2019 im Rahmen eines dreijährigen Prüfungsprogramms die Kobalt-Lieferketten der Batteriezellenlieferanten von dem externen Audit- und Beratungsunternehmen RCS Global nach auditieren. Dies umfasst auch die von der Mercedes-Benz AG und der Daimler Trucks & Buses AG gemeinsam genutzten Batteriezellenlieferanten. Dabei werden unter anderem Aspekte wie der Verzicht auf Kinderarbeit und moderne Sklaverei, Arbeitsschutz und Gesundheitsmaßnahmen sowie Materialkontrolle und vorhandene Due-Diligence-Systeme überprüft.

34 | Auditierung der Kobalt-Lieferketten nach OECD-Leitlinien

Auditierung der Kobalt-Lieferketten nach OECD-Leitlinien (Grafik)

Bereits 2018 hat RCS Global im Rahmen eines Pilotprojekts die Kobalt-Lieferkette eines Batteriezellenlieferanten nach OECD-Leitlinien kontrolliert und entsprechende Korrekturmaßnamen vereinbart. Die Erkenntnisse sind anschließend in das Prüfungsprogramm für die Kobalt-Lieferketten eingeflossen, das Mercedes-Benz Cars & Vans 2019 mit RCS Global gestartet hat. Die zentralen Ziele des Programms sind:

  1. Transparenz und Überprüfung der Kobalt-Lieferkette des Unternehmens vom Batteriezellenlieferanten bis zum Minenstandort.
  2. Due-Diligence-Managementsysteme und Beschaffungspraktiken der Lieferanten in der Kobalt-Lieferkette überprüfen und verbessern

Im ersten Jahr lag der Fokus darauf, Transparenz zu schaffen und Kobalt-Lieferketten in Form von Audits erstmalig zu bewerten. Nacheinander wurde jede Stufe in der Kobalt-Lieferkette geprüft — von nachgeschalteten Batterie- und Kathodenherstellern bis zu den Raffinerien, Schmelzen und Minenstandorten. Mercedes-Benz Cars & Vans hat es ermöglicht, die Lieferkette über die erste Ebene hinaus abzubilden und die damit verbundenen Risiken zu identifizieren. Sofern notwendig, wurden entsprechende Korrekturmaßnahmen für die Lieferanten entwickelt. Innerhalb des Programms wird auch überprüft, ob die Maßnahmen umgesetzt wurden. Zusätzlich werden Schulungen vor Ort angeboten, die individuell auf jeden Lieferanten zugeschnitten sind. Auf diese Weise soll das Programm sowohl direkte als auch indirekte Lieferanten dabei unterstützen, die internationalen Standards und Erwartungen der Stakeholder hinsichtlich der Sorgfaltspflicht für Kobalt zu erfüllen.

Seit 2020 liegt der Fokus insbesondere auf sogenannten Risiko-Hotspots. Das bedeutet, dass ausgewählte Lieferanten für erneute Audits und Fördermaßnahmen priorisiert werden. Seit dem Start des Programms hat Mercedes-Benz Cars & Vans mehr als 120 Lieferanten identifiziert und mehr als 60 Audits durchgeführt.

Bei den Audits wurden keine Menschenrechtsverletzungen festgestellt. Häufig aber fehlten den Lieferanten entsprechende Menschenrechtsrichtlinien oder Due-Diligence-Systeme — zum Beispiel gegen Kinderarbeit —, um diese zu verhindern. Im Gesundheits- und Sicherheitsmanagement haben die Lieferanten vergleichsweise bessere Ergebnisse erzielt. Dennoch wurde bei einer Mine ein Gesundheits- und Sicherheitsproblem festgestellt. Die Lieferbeziehung mit der betroffenen Mine wurde im Berichtsjahr von dem Sublieferanten eingestellt. Sie wird erst wieder aufgenommen, sobald sich die Situation verbessert hat. Dazu stehen wir mit dem Sublieferanten im Austausch.

Die überwiegende Mehrheit der Lieferanten war transparent und arbeitete uneingeschränkt mit den Auditoren zusammen. Sie gewährten Zugang zu Informationen, Personal und Betriebsstätten. Die Mercedes-Benz AG arbeitet nach den Audits weiterhin mit den geprüften Lieferanten zusammen, um deren Fortschritte zu verfolgen. Dazu wurde jeder Lieferant aufgefordert, einer individuellen Korrekturmaßnahme zuzustimmen.

Die Mercedes-Benz AG setzt zudem auf starke Nachhaltigkeitsstandards — und macht den Bergbaustandard „Standard for Responsible Mining“ der „Initiative for Responsible Mining Assurance“ (IRMA) zu einem Schlüsselkriterium für ihre Lieferantenentscheidungen in Rohstoff-Lieferketten. Mercedes-Benz Cars & Vans setzt bei der Vergabe neuer Aufträge künftig eine IRMA-Auditierung der Minen in der Lieferkette für Kobalt und Lithium voraus. Im nächsten Schritt soll der Standard auf andere Rohstoffe ausgeweitet werden — zunächst auf die weiteren Batterierohstoffe. Auch Daimler Trucks bezieht künftig Batteriezellen mit Kobalt und Lithium aus zertifiziertem Abbau. Dies betrifft zunächst Teilumfänge der Batteriezellen für elektrische Serien-Lkw — eine Ausweitung auf zusätzliche Umfänge wird derzeit geprüft.

Konfliktminerale: Daimler stellt sich seiner besonderen Sorgfaltspflicht

Bei Zinn, Tantal, Wolfram und Gold gelten besondere Sorgfaltspflichten. Diese Minerale (kurz: 3TG, nach ihren englischen Initialen) gehören zu den sogenannten Konfliktmineralen: Ihr Abbau und Handel führen immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Demokratischen Republik Kongo und benachbarten Ländern. Gleichzeitig kann es vorkommen, dass bewaffnete Gruppen durch Einkünfte aus dem Handel mit diesen Rohstoffen finanziert werden.

Zwar unterliegt Daimler nicht den Regulierungen des „Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act“ und der EU-Verordnung 2017/821 über die „Festlegung von Pflichten zur Erfüllung der Sorgfaltspflichten in der Lieferkette für Unionseinführer von Zinn, Tantal, Wolfram, deren Erzen und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten“. Dennoch nehmen wir unsere Verantwortung als Automobilhersteller ernst und bekennen uns zu einem verantwortungsvollen Bezug von 3TG. Deshalb sind wir seit 2018 Mitglied der Responsible Minerals Initiative (RMI), die sich für verantwortungsvolle Rohstoffbeschaffung einsetzt. Ziel der branchenübergreifenden Initiative ist es, Menschenrechtsverletzungen zu verhindern und die Transparenz entlang der gesamten Lieferkette von 3TG zu verbessern. Als unabhängige Drittpartei verantwortet RMI ein Auditierungsprogramm für die Sorgfaltsmaßnahmen von Schmelzen und Raffinerien, die Konfliktminerale verarbeiten. Da es in diesen Betrieben zu einer Vermischung von Material aus unterschiedlichen Quellen kommt, ist es wichtig, dass die Sorgfaltspflichten in der Lieferkette vor der Schmelze eingehalten werden. Darauf zielt der Responsible Minerals Assurance Process (RMAP) der RMI ab.

Die Mercedes-Benz AG hat die Konformität mit den RMAP-Anforderungen zu einem verpflichtenden Bestandteil der Auftragsvergabe gemacht. Lieferanten, deren Produkte 3TG enthalten, sind aufgefordert, der Mercedes-Benz AG einmal jährlich Bericht zu erstatten. Für die Datenabfrage greifen wir auf die standardisierten Berichtsformate der RMI zurück — die „Conflict Minerals Reporting Templates“. Bei Auffälligkeiten setzt sich die Mercedes-Benz AG mit ihren direkten Lieferanten in Verbindung und fordert diese gegebenenfalls auf, nichtkonforme Schmelzen und Raffinerien aus der Mercedes-Benz Lieferkette zu entfernen.

Für die Rohstoffe Zinn und Wolfram, die in geringen Mengen direkt bezogen werden, greifen Mercedes-Benz Cars & Vans sowie Trucks & Buses ebenfalls auf die standardisierten Berichtsformate und Auditprotokolle der RMI zurück. Darüber hinaus stehen die direkten Bezugswege dieser beiden Rohstoffe im Rahmen unseres HRRS unter besonderer Beobachtung. Wir sind daher in stetigem Austausch mit den betroffenen Lieferanten und überprüfen die Due-Diligence-Aktivitäten unter anderem mittels Fragebögen.

Glimmer: So wollen wir die Arbeitsbedingungen in Minen verbessern

Glimmer ist ein Rohstoff, der beispielsweise für Fahrzeuglacke verwendet wird. Er wird nicht direkt von Daimler bezogen, wurde aber bei einer Vorab-Risikoabschätzung im Rahmen des HRRS neben 23 weiteren Rohstoffen als potenziell kritisch definiert. Denn der Abbau von Glimmer wird immer wieder mit Menschenrechtsverletzungen, insbesondere mit Kinderarbeit in Indien, in Verbindung gebracht. Um diese Risiken zu adressieren, haben wir 2018 die Glimmer-Lieferkette überprüft — von der Mine bis zur Lackierung der Fahrzeuge im Werk. Somit haben wir Transparenz über die Glimmer- und Lacklieferkette geschaffen, um potenzielle Missstände aufzudecken und Korrekturmaßnahmen zu definieren. Dazu hat unter anderem ein Team aus Qualitätsingenieuren und Menschenrechtsexperten drei Minen und drei Verarbeiter in Indien nach menschenrechtlichen Gesichtspunkten auditiert.

Nach wie vor steht Mercedes-Benz Cars & Vans mit diesen Glimmer-Lieferanten in Kontakt. Dabei wird besprochen, inwiefern die Maßnahmen umgesetzt wurden, und es wird sich zu den Ergebnissen der fortlaufenden Auditierungen der Minen, die durch eine lokale Partnerorganisation des Lieferanten durchgeführt werden, ausgetauscht. Die Umsetzung und Fortschritte der jeweiligen Maßnahmen wurden im Berichtsjahr mehrfach überprüft.

Im September 2020 sind wir der Responsible Mica Initiative beigetreten: Die Initiative setzt sich für eine faire, verantwortungsvolle und nachhaltige Glimmer-Lieferkette in Indien ein. Ihr Ziel ist es, Kinderarbeit und inakzeptable Arbeitsbedingungen in Glimmer-Minen bis 2022 vollständig zu beseitigen. Dafür entwickelt die Daimler AG gemeinsam mit anderen Unternehmen, NGOs, Branchenverbänden und Regierungsvertretern Standards für verantwortungsbewusste Arbeitsbedingungen, stärkt lokale Gemeinschaften und unterstützt den Aufbau eines rechtlichen Rahmens für die Glimmer-Branche.

Das Unternehmen hat sich zudem für ein Projekt mit der NGO Terre des Hommes Niederlande zusammengeschlossen: Das Projekt in Jharkhand (Indien) hat das Ziel, Kindern im Umfeld von Glimmer-Minen den Schulbesuch zu ermöglichen und deren Familien wirtschaftlich zu unterstützen.

Naturkautschuk: Gemeinsam mit unseren Lieferanten engagieren wir uns
für mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit

Im Rahmen unseres HRRS haben wir Naturkautschuk ebenfalls als Risikorohstoff definiert. Weil Naturkautschuk hauptsächlich bei Reifen eingesetzt wird, befragen wir nicht nur eigene Lieferanten, sondern arbeiten auch eng mit Initiativen, Verbänden und unseren Partnern in der Reifenindustrie zusammen. So haben wir bereits 2019 mit unseren wichtigsten Reifenherstellern gesprochen, um Risiken in der Wertschöpfungskette zu identifizieren und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Im Berichtsjahr haben wir uns mit weiteren Reifenherstellern ausgetauscht, um entsprechende Maßnahmen zu konkretisieren. Bei diesen Dialogen hat sich gezeigt, dass die Lieferkette für Naturkautschuk sehr komplex ist, da eine sehr große Anzahl von Kleinbauern und Händlern beteiligt ist. Daher haben die Reifenlieferanten verschiedene Projekte initiiert, um die Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe zu verbessern. Wir besprechen den Stand der Projekte regelmäßig mit unseren Partnern.

Als führendes Mitglied der Brancheninitiative „Drive Sustainability“ unterstützen wir darüber hinaus die Initiative „Global Platform for Sustainable Natural Rubber“, die sich für eine faire, gerechte und umweltverträgliche Naturkautschuk-Lieferkette einsetzt.

Platin und Palladium: So identifizieren wir Risiken in der Lieferkette

Platin und Palladium gehören ebenfalls zu den im Rahmen unseres HRRS priorisierten Rohstoffen. Bei unseren Rohstoff-Assessments für Platin und Palladium haben wir zunächst Transparenz über die Produkte, die diese Edelmetalle enthalten, und deren Lieferanten geschaffen. Anschließend haben wir die Lieferanten mithilfe unseres Fragebogens (Critical Substance Questionnaire) befragt. Ziel war es, potenzielle menschenrechtskritische Punkte der Lieferkette und die Herkunft der Rohstoffe zu ermitteln. Außerdem wurde ein Dialog mit Lieferanten begonnen, um die Risiken in den Lieferketten von Platin und Palladium zu identifizieren und weitere Maßnahmen zu definieren. Die Assessments und die Lieferantendialoge waren am Ende des Berichtszeitraus noch nicht abgeschlossen.

Wir gehen Beschwerden konsequent nach

GRI 407-1

GRI 408-1

GRI 409-1

Unser Beschwerdemanagementprozess ermöglicht es, auf mögliche Menschenrechtsverletzungen bei Lieferanten aufmerksam zu machen. Dabei arbeiten wir eng mit der Weltarbeitnehmervertretung zusammen. Darüber hinaus folgen wir auch konkreten Hinweisen, die über NGOs direkt an uns herangetragen werden.

Allen Hinweisen und Verdachtsfällen auf Verstöße in der Lieferkette gehen wir konsequent nach. Dort, wo wir Handlungsbedarf identifizieren, treffen wir die erforderlichen Maßnahmen. Wird ein Verdachtsfall bekannt, sammeln wir zunächst alle verfügbaren Informationen und fordern die Lieferanten auf, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Anschließend bewerten wir den Sachverhalt und ziehen die erforderlichen Konsequenzen. Das kann bedeuten, dass wir gemeinsam mit dem betroffenen Lieferanten daran arbeiten, den Missstand aufzulösen — es kann aber auch bedeuten, dass wir die Geschäftsbeziehung beenden.

Im Berichtsjahr haben wir in unseren Vor-Ort-Überprüfungen bei den direkten Lieferanten von Mercedes-Benz Cars & Vans, Daimler Trucks & Buses und unserem Bereich International Procurement Services weder konkrete Verdachtsfälle auf Kinder- oder Zwangsarbeit noch Indizien für Verstöße gegen das Recht auf Kollektivverhandlungen oder die Vereinigungsfreiheit festgestellt.

Klimaschutz und Ressourcenschonung in der Lieferkette

GRI 308-2

Die Folgen des Klimawandels lassen sich nur begrenzen, wenn weltweit verschiedene Akteure an einem Strang ziehen. Deshalb beziehen wir beim Klima- und Umweltschutz auch unsere Lieferkette ein und arbeiten partnerschaftlich mit Lieferanten zusammen, um Emissionen zu senken und Ressourcen zu schonen.

Zum Schutz von Klima und Umwelt: Wir engagieren uns in Rohstoff-Initiativen

Rohstoff-Initiativen fungieren als wichtige Plattformen, um eine umwelt- und klimafreundliche Beschaffung von Rohstoffen voranzutreiben. Sie stellen branchenübergreifende Mechanismen bereit, wie Auditstandards oder Zertifizierungssysteme, die unter anderem helfen, die Herkunft von Materialien nachvollziehbar zu machen. Bei Daimler stehen dabei die Ressourcen Aluminium und Stahl im Fokus:

  • Aluminium Stewardship Initiative: Daimler hat sich 2018 der Aluminium Stewardship Initiative (ASI) angeschlossen. Damit unterstützen wir die Implementierung und Verbreitung eines unabhängigen Zertifizierungssystems für die gesamte Aluminium-Wertschöpfungskette. Der „Responsible Aluminium Performance Standard“ bündelt ethische, ökologische und soziale Aspekte. Im Bereich der Ressourcenschonung spielen vor allem Themen wie Treibhausgasemissionen, Luftemissionen, Abwässer und Abfälle sowie Wasser eine Rolle. Bei einigen Auftragsvergaben, etwa bezüglich der Bleche für unsere europäischen Presswerke, fordern wir von Lieferanten bereits eine Zertifizierung nach diesem Standard.
  • Responsible Steel Initiative: Seit 2018 ist Daimler Mitglied der Responsible Steel Initiative. Denn Stahl ist der Werkstoff, der im Auto anteilig am meisten verwendet wird und der die weltgrößte Rohstoffindustrie repräsentiert. Die Herstellung von Stahl ist für einen großen Anteil der in der Herstellungsphase anfallenden CO2-Emissionen verantwortlich. Die Responsible Steel Initiative entwickelt ein Zertifizierungsschema, das zum einen Anforderungen an die Transparenz bezüglich der eingesetzten Materialien wie Eisenerz oder Kokskohle stellt und zum anderen Vorgaben an einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen beinhaltet. Die Anforderungen an das Zertifizierungsschema werden unter Beteiligung verschiedener Stakeholder, darunter auch Daimler, erstellt.

Wir schaffen Transparenz über die Umweltauswirkung unserer Lieferketten

Um mehr Transparenz über die Umweltauswirkung unserer Lieferketten zu schaffen, arbeitet Daimler außerdem mit Organisationen wie CDP zusammen. So hat Mercedes-Benz Cars & Vans 2020 bereits zum zweiten Mal am CDP Supply Chain Program teilgenommen. Daimler Trucks & Buses hat erstmals teilgenommen und dabei die wichtigsten Truck- und Bus-Lieferanten miteinbezogen. Im Rahmen des Programms halten wir unsere Lieferanten dazu an, über ihre Umweltauswirkungen zu berichten. CDP stellt hierfür entsprechende Tools bereit, um umweltbezogene Daten zu erfassen, zu bewerten und zu veröffentlichen. Hierzu haben wir 2020 unsere Hauptlieferanten kontaktiert, die von Mercedes-Benz Cars & Vans rund 80 Prozent des jährlichen Einkaufsvolumens ausmachen. Über 90 Prozent von ihnen haben an der Umfrage teilgenommen. Über den Einkauf von Daimler Trucks & Buses wurden Lieferanten eingeladen, die über 70 Prozent des jährlichen Einkaufsvolumens des Geschäftsfelds abdecken.

Wir treiben Klimaschutz in der Lieferkette voran

Mit der „Ambition 2039“ strebt die Mercedes-Benz AG CO2-Neutralität in weniger als 20 Jahren an. Dabei betrachtet das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette, einschließlich Partnern und Lieferanten. Denn das Lieferantennetzwerk der Mercedes-Benz AG spielt für das Erreichen der Klimaziele eine entscheidende Rolle: Bei reinen Elektrofahrzeugen sind die CO2-Emissionen in der Lieferkette im Vergleich zum konventionellen Verbrenner mehr als doppelt so hoch, da die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien sehr energieintensiv ist. Der Mercedes-Benz EQC (Stromverbrauch kombiniert: 21,5–20,1 kWh; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km)1,2 bringt beispielsweise aktuell einen CO2-Rucksack von etwa 16 Tonnen aus der Lieferkette mit, wovon etwa acht Tonnen allein auf die Batterie entfallen. Deshalb setzen wir auf dem Weg zur Klimaneutralität bereits in der Lieferkette an und binden das Lieferantennetzwerk der Mercedes-Benz AG konsequent ein.

Mercedes-Benz Cars & Vans verfolgt einen risikobasierten Ansatz auf dem Weg zur Klimaneutralität. So wurde in einem ersten Schritt untersucht, bei welchen Akteuren und in welchen Stufen der Lieferkette hohe CO2-Emissionen und Schadstoffe freigesetzt werden.

In einem weiteren Schritt hat Mercedes-Benz Cars & Vans im Berichtsjahr zudem Zwischenziele für den CO2-Ausstoß in seinen Lieferketten definiert. Abgeleitet wurden die Ziele aus Lieferantengesprächen und mit Unterstützung externer Experten. Im Fokus standen dabei besonders Materialien und Komponenten mit einem hohen CO2-Ausstoß in der Produktion — dazu zählen unter anderem Stahl, Aluminium, bestimmte Kunststoffe oder auch Batterien. Die festgelegten Zielwerte wurden als ein wichtiges Kriterium in relevante Vergabeprozesse und bei der Auswahl von Lieferanten integriert.

Gemeinsam mit Lieferanten entwickeln wir Maßnahmen zur CO2-Reduktion bei den bezogenen Produktions- und Nichtproduktionsmaterialien und der Warenanlieferung in die Werke (Inbound-Logistik). So sollen die Produktionsmaterialien der Mercedes-Benz AG bis spätestens 2039 nur noch CO2-neutral bezogen werden. Für die Batteriezellen hat die Mercedes-Benz AG in diesem Zusammenhang mit zwei strategischen Partnern klare Zielsetzungen vereinbart: Die Unternehmen CATL (Contemporary Amperex Technology Co., Limited) und Farasis Energy haben zugesichert, Batteriezellen zu liefern, die mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind-, Solar- und Wasserkraft gefertigt werden. Dadurch reduziert sich der CO2-Fußabdruck der Gesamtbatterie um mehr als 30 Prozent. Im nächsten Schritt soll die weitere Lieferkette einbezogen werden. Von den Ergebnissen dieser Initiativen profitieren auch die anderen Geschäftsbereiche der Daimler AG.

Im Berichtsjahr hat die Mercedes-Benz AG außerdem eine Absichtserklärung zur CO2-Neutralität an Lieferanten verschickt. Mit ihrer Unterschrift sichern sie zu, bis spätestens 2039 nur noch bilanziell CO2-neutrale Produkte an die Mercedes-Benz AG zu liefern — und damit unserer Klimazielsetzung zu folgen. Gemessen am jährlichen Einkaufsvolumen, haben sich bereits rund 60 Prozent der Lieferanten im Berichtsjahr dieser Absichtserklärung angeschlossen, im ersten Quartal 2021 waren es bereits über 75 Prozent.

Wir setzen uns für Ressourcenschonung entlang der Lieferkette ein

GRI 308-2

Unsere Lieferkette spielt auch eine wichtige Rolle, wenn es um einen schonenden Umgang mit Ressourcen geht. Die Daimler AG hat sich zum Ziel gesetzt, den Ressourcenverbrauch vom wirtschaftlichen Wachstum zu entkoppeln — und setzt dabei auf die Unterstützung ihrer Lieferanten. Mit ihrer Hilfe wollen wir den Anteil an sekundären und erneuerbaren Materialien in unseren Fahrzeugen kontinuierlich steigern.

Vor diesem Hintergrund hat Mercedes-Benz Cars & Vans eine Risikoanalyse durchgeführt und die Materialien Stahl, Aluminium und Kunststoffe als besonders wichtig identifiziert. Diese Werkstoffe werden nicht nur in großen Mengen für den Fahrzeugbau benötigt, ihre Herstellung ist auch mit einem hohen Einsatz an Energie und Ressourcen verbunden.

Daher hat die Mercedes-Benz AG im Berichtsjahr für diese Materialien für Mercedes-Benz Cars & Vans Sekundärmaterial-Zielwerte definiert und diese in ihren Vergabeanforderungen verankert. Grundlage dafür waren Lieferantengespräche und -abfragen. Darüber hinaus arbeitet die Mercedes-Benz AG daran, für ihre Antriebsbatterien eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Dadurch sollen negative Auswirkungen auf die Umwelt reduziert werden.

Wir zeichnen das Klimaschutz-Engagement unserer Lieferanten aus

Dass Klimaschutz in unseren Lieferketten einen hohen Stellenwert für Daimler hat, haben wir im Berichtsjahr mit dem „Daimler Supplier Sustainability Award 2020“ unterstrichen: 2020 haben wir damit erstmals Lieferanten für herausragende Nachhaltigkeitsleistungen in den Kategorien Klimaschutz und Ressourcenschonung prämiert. Die Preisträger hatten zuvor mit Maßnahmen zur CO2-Reduktion in ihren Fabriken überzeugt oder innovative Energieversorgungskonzepte für unsere eigenen Werke erstellt und damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz und zur Erfüllung unserer Ambition 2039 geleistet.

So bewerten wir die Wirksamkeit unseres Managementansatzes

GRI 103-3

Wir prüfen die Fortschritte, die wir mit Blick auf unsere Ambition 2039 für Pkw erreichen: Als Anhaltspunkt nutzt der Einkaufsbereich „Mercedes-Benz Cars Einkauf und Lieferantenqualität“ dafür zum Beispiel die Anzahl der Lieferanten, welche die Absichtserklärung zur Ambition 2039 unterschrieben zurückschicken. Zudem werden wir ein Tracking-System aufbauen, mit dem wir verfolgen können, wie sich die CO2-Emissionen über die Zeit reduzieren.

Mercedes-Benz Cars & Vans sowie Daimler Trucks & Buses nutzen außerdem das CDP Supply Chain Module, um Fortschritte zu verfolgen: Durch den intensiven Dialog und Austausch mit den Lieferanten konnte 2020 die Teilnehmerzahl unter den Lieferanten weiter erhöht werden. So stieg für die Mercedes-Benz AG die Antwortrate unter den angefragten Lieferanten von rund 80 Prozent im Jahr 2019 auf über 90 Prozent, obwohl im Berichtsjahr vermehrt viele kleine und mittlere Unternehmen angeschrieben wurden.

Die Wirksamkeit unserer Maßnahmen, um Integrität und Compliance bei unseren Lieferanten sicherzustellen, überprüfen wir jährlich im Rahmen des konzernweiten Compliance-Programms. Die zentralen Einkaufsbereiche bestätigen dafür jährlich im Rahmen der „Annual Effectiveness“-Evaluierung die Wirksamkeit des „Supplier Integrity Managements“. Die entsprechenden Berichte leiten sie an die Bereiche Integrity, Legal und Compliance weiter.

Und auch beim Thema Menschenrechte arbeiten wir weiterhin daran, die Sorgfaltsmaßnahmen der Daimler AG weiter auszubauen.

1 Stromverbrauch und Reichweite wurden auf der Grundlage der VO 692/2008/EG ermittelt. Stromverbrauch und Reichweite sind abhängig von der Fahrzeugkonfiguration.

2 Die tatsächliche Reichweite ist zudem abhängig von der individuellen Fahrweise, Straßen- und Verkehrsbedingungen, Außentemperatur, Nutzung von Klimaanlage/Heizung etc. und kann ggf. abweichen.

Anbieter/Datenschutz

Daimler AG Mercedesstraße 120
70372 Stuttgart
Deutschland
Tel.: +49 711 17 0
E-Mail: dialog@daimler.com

Vertreten durch den Vorstand: Ola Källenius (Vorsitzender), Martin Daum, Renata Jungo Brüngger, Wilfried Porth, Markus Schäfer, Britta Seeger, Hubertus Troska, Harald Wilhelm

Vorsitzender des Aufsichtsrats: Bernd Pischetsrieder

Handelsregister beim Amtsgericht Stuttgart, Nr. HRB 19360
Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 81 25 26 315

Code of Conduct

Als Code of Conduct wird der Verhaltenskodex eines Unternehmens bezeichnet. Er soll den Beschäftigten Orientierung bieten und beinhaltet Leitlinien für ein verantwortungsvolles, ethisch korrektes und integres Verhalten. Meistens gelten diese auch für Dritte wie Geschäftspartner und Lieferanten.

Alle Glossar-Begriffe

OECD

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development – OECD) mit Sitz in Paris ist eine internationale Organisation mit 37 Mitgliedsstaaten, die sich Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen.

Alle Glossar-Begriffe