Verkehrssicherheit

Automatisiertes Fahren vorantreiben

Automatisiertes und autonomes Fahren haben das Potenzial, die Mobilität grundlegend zu verändern. Sie können nicht nur die Verkehrssicherheit, den Fahrkomfort und das Fahrverhalten auf Langstrecken verbessern, sondern auch die Mobilität von Menschen und den Transport von Gütern als solches positiv beeinflussen. Mögliche Risiken dürfen wir dabei dennoch nicht außer Acht lassen.

Chancen und Herausforderungen

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Fahrsysteme, die ohne den Menschen hinter dem Steuer auskommen oder ihm einen Teil der Arbeit abnehmen, könnten helfen, die Zahl der Verkehrsunfälle zu verringern. Denn ein solches System wird nicht müde, lässt sich nicht ablenken und auch nicht durch Emotionen oder Stimmungen beeinflussen. All das sind Faktoren, die bei Unfallereignissen häufig eine Rolle spielen.

Doch eine potenzielle Verbesserung beim Thema Verkehrssicherheit ist nicht der einzige Vorteil automatisierten Fahrens: Die Technologie kann zudem eine effiziente, ressourcenschonende Verkehrssteuerung im urbanen wie auch ländlichen Raum, die zur Reduktion von Emissionen beiträgt, ermöglichen. Für uns ergeben sich daraus neue Geschäftsmodelle und -chancen. Möglich sind digitale und servicebasierte Innovationen und vielfältige umweltschonende Mobilitätsdienstleistungen wie spezielle Mobilitätsangebote in Städten, von denen beispielsweise auch ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen profitieren können. Auch beim Straßengütertransport gibt es großes Potenzial durch automatisiertes Fahren. Dies betrifft zum einen die Sicherheit, zum anderen auch ökonomische Vorteile, unter anderem durch Effizienzsteigerungen sowie durch Kraftstoffersparnis. Derzeit erproben wir das vollautomatisierte Fahren (SAE-Level 4) im öffentlichen Verkehr auf definierten Strecken in den USA.

Herausfordernd gestaltet sich darüber hinaus die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI). KI wird für automatisierte und autonome Fahrzeuge vor allem im Bereich des Machine Learning eine Rolle spielen. Zum Beispiel unterstützt sie das System dabei, Objekte auf und neben der Fahrbahn schneller zu erkennen und zu identifizieren.

Aus unserer Sicht sind neben der Sicherheit auch der verantwortungsvolle Einsatz von KI und die Berücksichtigung von ethischen Aspekten zentrale Voraussetzungen für die Akzeptanz des automatisierten und autonomen Fahrens in der Gesellschaft. Daimler hat für den verantwortungsvollen Einsatz von KI seit 2018 in einem crossfunktionalen Team eigene Prinzipien erarbeitet und sie im Rahmen der IAA 2019 kommuniziert. Die KI-Prinzipien bauen auf unseren Unternehmenswerten auf und sind in der Verhaltensrichtlinie (Integrity Code) verankert.

Aber auch die Hardware, also das Fahrzeug selbst, muss gesellschaftlichen Anforderungen entsprechen. Hier stellen sich beispielsweise Fragen zur Innenraumgestaltung oder auch zu den Zugangsmöglichkeiten für alle zukünftigen Kunden.

Auf dem Weg zum automatisierten Fahren

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Neue Technologien brauchen Rechtssicherheit. Rechtliche Grundlagen für automatisierte Fahrsysteme definiert in Deutschland das StVG-Änderungsgesetz zum automatisierten Fahren, das am 21. Juni 2017 in Kraft getreten ist. Wir begrüßen dieses Gesetz, weil Deutschland damit als eines der ersten Länder eine rechtliche Grundlage für die weitere technische Entwicklung geschaffen hat. Darüber hinaus halten wir eine Weiterentwicklung des jeweiligen nationalen Verkehrs- und Verhaltensrechts für erforderlich, um einen rechtssicheren Einsatz von automatisierten und autonomen Systemen zu ermöglichen. Insbesondere für das fahrerlose Fahren bedarf es daher einer weiteren Änderung des Straßenverkehrsrechts.

Inzwischen haben viele weitere Länder rechtliche Regelungen geschaffen beziehungsweise den Gesetzgebungsprozess angestoßen. Neben Anpassungen im jeweiligen nationalen Verhaltensrecht gibt es weitere Hürden für den Durchbruch der Technologie: So müssen die hoch- und vollautomatisierten Fahrsysteme (SAE-Level 3-4) auch für den Straßenverkehr zugelassen werden können. Daimler engagiert sich deshalb weltweit in den entsprechenden internationalen Gremien und Verbänden. Wir möchten auf diesem Wege dazu beitragen, einen rechtssicheren Rahmen für die technische Zertifizierung dieser Systeme zu entwickeln.

Daimler befürwortet außerdem eine internationale Harmonisierung der entsprechenden gesetzlichen Regelungen. Sie sollten möglichst kompatibel miteinander sein und gleiche Anforderungen an die Technologie stellen. Das betrifft auch den Umgang mit den Daten, die zum automatisierten Fahren nötig sind. Ein Beispiel ist die technische Normierung des in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen Fahrmodusspeichers. Der Speicher zeichnet unter anderem auf, wann das automatisierte System aktiviert ist und wann der Fahrer das Fahrzeug steuert. Innerhalb der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UN-ECE) diskutieren Experten seine internationale Normierung. Wir unterstützen diesen Gestaltungsprozess und weisen hierbei auf die Notwendigkeit hin, die Technik datenschutzfreundlich zu entwickeln.

Für eine verantwortungsvolle Entwicklung automatisierter Fahrzeuge legen wir neben den gesetzlichen auch interne Regelungen und Richtlinien zugrunde, wie zum Beispiel unsere „Interne Richtlinie zur technischen Compliance“, die ISO-Standards 26262 und 21448 für sicherheitsrelevante elektrische/elektronische Systeme in Kraftfahrzeugen, die Entwürfe der UN-ECE zu Speichernormierung und Anforderungen an automatisierte Systeme („Requirements for an Automated Lane Keeping System“) und die 20 ethischen Regeln der Ethikkommission der deutschen Bundesregierung zum automatisierten und vernetzten Fahren.

Ein weiteres Beispiel dafür sind unsere vier KI-Prinzipien. Das erste Prinzip besagt, dass wir KI verantwortungsvoll gestalten. Wir nutzen die Chancen der KI und wägen die Auswirkungen ab. Dabei orientieren wir uns an unseren Unternehmenswerten. Gemäß dem zweiten Prinzip setzen wir uns für ein hohes Maß an Transparenz ein, um das Vertrauen in KI zu fördern. Dazu unterstützen wir eine erklärbare KI. Drittens respektieren wir die Privatsphäre unserer Kunden. Wir berücksichtigen deren Schutz bereits in der Designphase von KI und unterstützen datenschutzfreundliche Technologien. Und schließlich entwickeln und testen wir unsere KI-Technologien gewissenhaft und nach dem Stand von Wissenschaft und Technik. Wir ergreifen angemessene Maßnahmen zur Entwicklung sicherer und zuverlässiger KI.

Die KI-Prinzipien sollen das Vertrauen und die Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen erhöhen, unsere Produkte und Dienstleistungen festigen – und gleichzeitig allen Kolleginnen und Kollegen Orientierung für den Umgang mit KI geben.

Neben ethischen Prinzipien ist ein umfassender Datenschutz wichtig für die Akzeptanz des automatisierten und autonomen Fahrens. Deshalb binden wir unsere Datenschutzexpertinnen und -experten bereits frühzeitig in die Konzeptentwicklung ein. Ziel ist die Entwicklung datenschutzfreundlicher Konzepte nach dem Prinzip „Privacy by Design“.

Risiken abdecken und mildern

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Auch im Bereich des automatisierten Fahrens finden die Elemente und Prozesse des technical Compliance Management Systems (tCMS) Anwendung. Besondere Herausforderungen aus der Verwendung von neuen Technologien wie das automatisierte Fahren wurden in den Entwicklungsbereichen fortlaufend berücksichtigt, beispielsweise durch die Erarbeitung von Handlungsleitlinien. Komplexe Fragestellungen zum automatisierten Fahren werden im Rahmen eines interdisziplinär ausgerichteten Prozesses unter Berücksichtigung technischer und rechtlicher Kriterien bewertet und entschieden.

Kompetenzen für den sorgfältigen Umgang mit neuen Technologien

Bei der Entwicklung und Einführung neuer Technologien ergeben sich nicht nur technische Aufgabenstellungen, sondern auch soziale, ethische und rechtliche Fragen, die breit diskutiert und beantwortet werden müssen. Beide Herausforderungen gehen wir in einem integrierten Ansatz an. Dazu gehört neben den Aktivitäten in Forschung und Entwicklung, Produktsicherheit und Qualitätsmanagement seit 2018 auch die Arbeit eines interdisziplinären Teams im Vorstandsressort Integrität und Recht. Gemeinsam mit Ingenieuren, Juristen, Datenschutz-, Compliance- und Strategie-Experten bewertet das Team mögliche Auswirkungen von technischen Neuerungen, schärft das Bewusstsein für komplexe gesellschaftliche Fragen und Rechtsthemen, erarbeitet Lösungen und setzt diese um. Dabei geht es beispielsweise um den verantwortungsvollen Einsatz von Daten bei der Programmierung oder um die Ableitung möglicher Verhaltensänderungen im urbanen Umfeld durch den Einsatz neuer Technologien – immer mit dem Ziel, sowohl die Akzeptanz als auch die Sicherheit der Produkte zu steigern. Orientierung geben dabei die gesetzlichen Anforderungen, geltende interne Regelwerke wie unsere Verhaltensrichtlinie, die Datenleitprinzipien und die KI-Prinzipien, externe Leitlinien, etwa von AI4People oder IEEE und Asilomar, sowie die 20 Regeln der Ethikkommission zum automatisierten und vernetzten Fahren.

Unsere Ziele

Es ist unser Ziel, die Entwicklung der Technologie weiter voranzutreiben und zügig einen Serieneinsatz automatisierter und autonomer Systeme zu ermöglichen. Auf dem Weg dorthin berücksichtigen wir gleichermaßen technische, rechtliche wie ethische Aspekte. Hierfür haben wir drei Schwerpunkte gesetzt.

  • Daimler hat den Anspruch, eine führende Rolle auf dem Gebiet automatisierter und autonomer Systeme einzunehmen, und wird die technische Entwicklung solcher Systeme weiter vorantreiben.
  • Daimler möchte zur Etablierung zuverlässiger rechtlicher Rahmenbedingungen für den Einsatz der neuen Technologie auf nationaler wie auf internationaler Ebene beitragen und fördert den hierfür nötigen breiten gesellschaftlichen Diskurs.
  • Daimler wird sich aktiv in den gesellschaftlichen und politischen Dialog zu den ethischen Fragen im Kontext der neuen Technologien einbringen.

Maßnahmen für automatisiertes Fahren

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Das Spektrum unserer Maßnahmen, mit denen wir automatisierte und autonome Systeme etablieren wollen, reicht von einer prinzipiengeleiteten Forschungs- und Entwicklungstätigkeit bis hin zu einem gesellschaftlichen Diskurs zu ethischen Fragestellungen.

Technische, rechtliche und ethische Fragen diskutieren

Eine breite gesellschaftliche Diskussion ist Voraussetzung für die Akzeptanz des automatisierten und autonomen Fahrens. Deshalb legen wir großen Wert auf einen offenen Dialog, an dem Wirtschafts- und Verbraucherverbände, interessierte Gruppen, Behörden sowie Industrie und Zivilgesellschaft beteiligt sind. Wir fördern den gesellschaftlichen Dialog zum Beispiel, indem wir Veranstaltungen und Fachtagungen ausrichten. Seit 2015 nutzen wir auch den jährlichen „Daimler Sustainability Dialogue“ für den Austausch über ethische, rechtliche und soziale Fragen im Zusammenhang mit dem autonomen Fahren. Er fand zuletzt im November 2019 in Stuttgart statt. Dort diskutierten die Teilnehmer mögliche Verhaltensänderungen von Verkehrsteilnehmern und der Gesellschaft insgesamt aufgrund von neuen Technologien oder Geschäftsmodellen im urbanen Umfeld. Sie erstellten unter anderem Szenarien zu möglichen neuen Verhaltensmustern der Verkehrsteilnehmer und entwickelten Vorschläge, wie die Entwicklung der Technologien zum gesamtgesellschaftlichen Nutzen beitragen kann. Im Mittelpunkt stand dabei die gesellschaftliche Verantwortung der Fahrzeughersteller und ihrer Zulieferer.

Mitgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen

Grundvoraussetzung, um automatisierte, autonome und vernetzte Fahrzeuge erfolgreich weiterzuentwickeln und einzuführen, ist die zeitnahe Schaffung von gesetzlichen Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund wird Daimler auch künftig aktiv weitere Gesetzgebungsverfahren begleiten. Neben den Anpassungen im jeweiligen nationalen Verkehrs- und Verhaltensrecht, insbesondere mit Blick auf das fahrerlose Fahren, ergeben sich weitere Hürden für den Durchbruch der Technologie. Um einen grenzüberschreitenden Einsatz von automatisiert und autonom fahrenden Autos im Straßenverkehr zu ermöglichen, bedarf es einer internationalen Harmonisierung der entsprechenden gesetzlichen Regelungen. Diese sollten möglichst kompatibel miteinander sein und gleiche Anforderungen an die Technologie stellen.

Engagement in Gremien und Verbänden

Daimler ist Mitglied in zahlreichen internationalen und nationalen Gremien und Verbänden. Hierzu gehören der Verband der Automobilindustrie, der Europäische Automobilherstellerverband und Arbeitsgruppen der UN-ECE. Im Rahmen der Verbandsarbeit wirken wir an Konsultationsverfahren zur Gesetzgebung mit und tauschen uns mit politischen Entscheidungsträgern aus.

  • Im April 2019 trat Daimler dem „Automated Vehicle Safety Consortium“ (AVSC) bei. Das AVSC arbeitet an der Entwicklung von Sicherheitsprinzipien für automatisiertes Fahren. Im Fokus stehen Sicherheitstests vor und während der Nutzung von automatisierten Fahrzeugen, die Verarbeitung und der Schutz von Daten sowie die Interaktion zwischen automatisierten Fahrzeugen und anderen Straßennutzern.
  • Außerdem beteiligten wir uns im Juli 2019 an dem Workshop „Ethikaspekte in der Normung und Standardisierung für KI in autonomen Maschinen“ des Deutschen Instituts für Normung (DIN). Der Workshop war Bestandteil unserer Kooperation mit dem DIN und der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Ziel der Kooperation ist die Erstellung einer Roadmap mit dem Titel „Ethikaspekte in der Normung und Standardisierung für KI“.
  • Im Juli 2019 haben elf Branchenführer aus der Automobil- und der Zulieferindustrie im Bereich des automatisierten Fahrens unter Mitwirkung von Daimler das White Paper „Safety First for Automated Driving“ veröffentlicht. Mit seinen zwölf Leitprinzipien soll es künftigen Diskussionen als Grundlage dienen.
  • Wir engagieren uns in einer Arbeitsgruppe des Verbands der Automobilindustrie zum Thema „Ethische Erwägungen für autonome Fahrzeuge“.
  • Wir haben uns an dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Verbundprojekt „Projekt zur Etablierung von generell akzeptierten Gütekriterien, Werkzeugen und Methoden sowie Szenarien und Situationen“ (PEGASUS) beteiligt. Ziel ist es, ein Vorgehen für die Freigabe automatisierter Fahrfunktionen zu entwickeln, um so die rasche Einführung des automatisierten Fahrens in der Praxis zu ermöglichen.
  • Seit Juli 2019 beteiligen wir uns zudem am Forschungsverbund „Verifikations- und Validierungsmethoden für automatisierte Fahrzeuge Level 4 und 5“, der auf PEGASUS aufsetzt. Der Verbund hat sich zum Ziel gesetzt, eine Systematik und Methoden für den Sicherheitsnachweis von vollautomatisierten und fahrerlosen Fahrfunktionen und Fahrzeugen zu entwickeln.

Ethische Prinzipien in der Produktentwicklung

Den Leitlinien der Ethikkommission, unseren KI-Prinzipien und diversen anderen Grundsätzen (zum Beispiel biomedizinische ethische Prinzipien) entsprechend machen wir Ethik zum integralen Bestandteil der Technologieentwicklung. So berücksichtigen wir bei der Produktentwicklung automatisierter Fahrsysteme neben rechtlichen auch ethische Aspekte. Wir sind überzeugt davon, dass dieses Vorgehen die gesellschaftliche Akzeptanz unserer künftigen Produkte und damit unsere Fähigkeit, nachhaltigen Wert zu schaffen, positiv beeinflussen wird. Wir betrachten es darum als wichtiges Element unserer nachhaltigen Geschäftsstrategie.

Sicherheit beim automatisierten und autonomen Fahren

Eine Zulassung für den Straßenverkehr setzt die Sicherheit automatisierter Systeme voraus. Wir arbeiten intensiv daran, technische Standards zu setzen. Wichtige Fortschritte erzielten wir mit dem vom deutschen Wirtschaftsministerium geförderten „Projekt zur Etablierung von generell akzeptierten Gütekriterien, Werkzeugen und Methoden sowie Szenarien und Situationen zur Freigabe hochautomatisierter Fahrfunktionen“ (PEGASUS). Bis zum Projektabschluss im Juni 2019 konnten wesentliche Lücken bezüglich der Testmethoden und der Freigabe hochautomatisierter Fahrfunktionen geschlossen werden. Wir unterstützen eine Fortführung der Aktivitäten und eine Harmonisierung mit internationalen Bestrebungen in diesem Bereich.

Darüber hinaus haben wir in den USA für unsere Projekte in Sunnyvale/Kalifornien (SAE-Level 4-5) zusammen mit unserem Partner Bosch sowie „DRIVE PILOT“ (SAE-Level 3) in Long Beach/Kalifornien und Ann Arbor/Michigan jeweils ein sogenanntes Voluntary Safety Self-Assessment (VSSA) veröffentlicht. Mit der freiwilligen Veröffentlichung wollen wir aktiv mit Regierungsorganisationen und Stakeholdern über die Projekte öffentlich diskutieren. Daimler ist der erste deutsche OEM (Original Equipment Manufacturer), der die Möglichkeit der Veröffentlichung der VSSAs in den USA genutzt hat.

Automatisiertes Fahren bei Nutzfahrzeugen

Automatisiert fahrende Lkw bieten in mehrfacher Hinsicht klare Vorteile. So können sie dazu beitragen, den Straßenverkehr sicherer und nachhaltiger zu machen. Redundant aufgebaute Systeme und eine Vielzahl von Sensoren und Systemen, die nie müde oder unaufmerksam werden, bilden die Basis für derartige Technologien beziehungsweise Assistenzsysteme. Denn ein Großteil aller Unfälle ist nach wie vor auf menschliches Versagen zurückzuführen. Bereits heute bieten wir bei Daimler Trucks ab Werk teilautomatisierte Fahrsysteme (SAE-Level 2) an. Sie sind unter unseren Marken Mercedes-Benz, Freightliner und FUSO in unseren wichtigsten Märkten auf drei Kontinenten erhältlich.

Der nächste logische Schritt im Transportgewerbe ist vollautomatisiertes Fahren (SAE-Level 4), das Sicherheit, Effizienz und Produktivität nochmals deutlich steigern könnte. Da die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft auch von der Effizienz in der Logistik abhängt, könnte sich das vollautomatisierte Fahren in dieser Hinsicht positiv auswirken. Bei der Forschung und Entwicklung rund um automatisierte Lkw orientiert sich Daimler Trucks an drei Grundsätzen:

  • Die Sicherheit von Fahrzeuginsassen und Verkehrsteilnehmern hat oberste Priorität; daher müssen alle technischen Systeme vor allem eins sein – zuverlässig.
  • Produkte entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden.
  • Es bedarf eines klaren rechtlichen und regulatorischen Rahmens für Betrieb und Haftung.

Kompetenzen bündeln und starke Partnerschaften eingehen

Die Entwicklung hin zur Serienproduktion vollautomatisierter Lkw (SAE-Level 4) wird bei Daimler Trucks in den nächsten Jahren im Fokus stehen. Deshalb haben wir 2019 die Autonomous Technology Group als globale Organisation gegründet. Darin bündeln wir unser Know-how und alle globalen Aktivitäten rund um das automatisierte Fahren. Zu den zentralen Aufgaben dieser Einheit gehören die Gesamtstrategie für automatisiertes Fahren und deren Umsetzung, einschließlich Forschung und Entwicklung. Hinzu kommt der Aufbau der erforderlichen Infrastruktur und eines Netzwerks für den operativen Fahrzeugeinsatz.

Teil unserer Autonomous Technology Group ist das Software-Unternehmen Torc Robotics mit Sitz in Blacksburg (USA). Es zählt zu den weltweit erfahrensten Unternehmen im automatisierten Fahren mit hoch entwickelter, straßentauglicher Technologie. Gemeinsam haben wir bereits damit begonnen, vollautomatisierte Lkw (SAE-Level 4) auf definierten Strecken im öffentlichen Raum zu erproben. Zuvor hatten wir die Technologie monatelang auf abgesperrten Strecken getestet. Für Daimler Trucks ist dies ein wichtiger nächster Schritt, um mit zuverlässigen und sicheren Lkw zum Wohle unserer Kunden, der Wirtschaft und der gesamten Gesellschaft beizutragen.

So bewerten wir die Wirksamkeit unseres Managementansatzes

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Die Elemente und Prozesse des technical Compliance Management Systems (tCMS) finden auch im Bereich des automatisierten Fahrens Anwendung. Jedes Jahr überprüfen wir die Angemessenheit und Wirksamkeit des tCMS und passen es an weltweite Entwicklungen, veränderte Risiken und neue rechtliche Anforderungen an. Darüber hinaus berücksichtigen wir auch die Erkenntnisse aus unabhängigen internen sowie externen Prüfungen. Gegebenenfalls erforderliche Verbesserungsmaßnahmen werden auf dieser Basis festgelegt.

Fundierte Entscheidungen in den Entwicklungsprojekten bilden die Grundlage, um technische Compliance sicherzustellen. Im Bereich des automatisierten Fahrens sind die externen Vorschriften und Regelungen für künftige Entwicklungen derzeit noch lückenhaft. Alle Beschäftigte in den Entwicklungsbereichen können Fragen zur technischen Compliance im interdisziplinär ausgerichteten tCMS-Clearing-Prozess durch die Gremien entscheiden lassen. Im Berichtszeitraum haben die etablierten tCMS-Gremien Clearing-Fälle zum automatisierten Fahren interdisziplinär aufbereitet und entschieden.

Anbieter/Datenschutz

Daimler AG Mercedesstraße 120
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Deutschland
Tel.: +49 711 17 0
E-Mail: dialog@daimler.com

Vertreten durch den Vorstand: Ola Källenius (Vorsitzender), Martin Daum, Renata Jungo Brüngger, Wilfried Porth, Markus Schäfer, Britta Seeger, Hubertus Troska, Harald Wilhelm

Vorsitzender des Aufsichtsrats: Manfred Bischoff

Handelsregister beim Amtsgericht Stuttgart, Nr. HRB 19360
Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 81 25 26 315