Menschenrechte

Risiken erkennen, zielgerichtet handeln

Die Achtung von Menschenrechten ist für Daimler ein grundlegender Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung. Es ist unser Anspruch und Ziel, dass die Menschenrechte in allen unseren Konzerngesellschaften eingehalten werden und auch bei unseren Lieferanten Beachtung finden.

Menschenrechte im Fokus

GRI 103-1

Das öffentliche Interesse am Thema Menschenrechte in der Automobilindustrie steigt. Grund hierfür sind insbesondere neue Herausforderungen, die der Ausbau der Elektromobilität mit sich bringt. Denn es besteht die Gefahr, dass die dafür benötigten Rohstoffe möglicherweise unter menschenrechtlich kritischen Bedingungen abgebaut werden. Wir sehen ein kontinuierliches Interesse vonseiten der Investoren am Thema Menschenrechte. Dies zeigt, dass unternehmerische Aktivitäten im Bereich der Menschenrechte zunehmend Einfluss auf Investitionsentscheidungen haben. Auch eine immer größere Zahl an Gesetzen widmet sich dem Thema. In Deutschland ist nach Auslaufen des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte im Jahr 2020 eine Gesetzgebung zu menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht denkbar. Auf EU-Ebene könnten entsprechende Gesetzesinitiativen durch die deutsche Ratspräsidentschaft vorangetrieben werden.

Die Achtung der Menschenrechte zählt zu den zentralen Fokusthemen unserer nachhaltigen Geschäftsstrategie und unserem Verständnis von integrem Handeln. Dabei variieren menschenrechtlich kritische Punkte je nach Region, Lieferant, Rohstoff oder Dienstleistung und Lieferkette. Deshalb berücksichtigen wir bei der Umsetzung unseres Ansatzes zur Wahrung und Achtung der Menschenrechte nicht nur unsere eigenen Standorte, sondern nehmen risikobasiert die gesamte Lieferkette in den Blick.

Wie wir die Menschenrechte achten und wahren

GRI 103-2

Für die Steuerung des Themas Menschenrechte ist federführend das Vorstandsressort Integrität und Recht der Daimler AG verantwortlich. Das zuständige Vorstandsmitglied treibt das Thema gemeinsam mit den Einkaufsbereichen voran, lässt sich regelmäßig durch den Chief Compliance Officer und die entsprechenden Fachbereiche aus den Abteilungen Social Compliance und Corporate Responsibility Management über die Menschenrechtsaktivitäten informieren und erhält die entsprechenden Berichte. Zusätzlich informieren die relevanten Einkaufsbereiche das Procurement Council sowie die für sie direkt zuständigen Vorstandsmitglieder über ihre jeweiligen Maßnahmen im Bereich Menschenrechte. Hinzu kommt die regelmäßige Berichterstattung an den Gesamtvorstand und das Group Sustainability Board durch alle beteiligten Fachbereiche gemeinsam. Bei der Konzipierung und Umsetzung geeigneter Präventiv- und Gegenmaßnahmen arbeiten funktionsübergreifende Teams eng zusammen. Sie bestehen aus Menschenrechts- und Compliance-Experten sowie den operativen Einkaufsbereichen und, anlassbezogen, weiteren Fachbereichen. Die Verantwortung für die Umsetzung und Nachhaltung der relevanten Maßnahmen obliegt dabei den jeweils verantwortlichen Fachbereichen.

Richtlinien und internationale Referenzrahmen

Von zentraler Bedeutung für unsere Menschenrechtsaktivitäten und -richtlinien sind insbesondere folgende Referenzrahmen:

  • der UN Global Compact
  • die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte
  • die internationale Menschenrechtscharta inklusive der relevanten Rechte aus den UN-Zivil- und -Sozialpakten
  • der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (Deutschland)
  • die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation

Die menschenrechtlichen Schwerpunkte, die wir aus diesen Referenzrahmen für die Erfüllung unserer Sorgfaltspflichten abgeleitet haben, sind in unserer Verhaltensrichtlinie sowie den Daimler Supplier Sustainability Standards enthalten.

Die Daimler Supplier Sustainability Standards definieren Anforderungen an Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Umweltschutz und Sicherheit, Geschäftsethik und Compliance und sind Teil unserer Geschäftsbedingungen. Unsere direkten Lieferanten sind aufgefordert, diese Nachhaltigkeitsstandards einzuhalten, sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu vermitteln und sie auch in ihre vorgelagerten Wertschöpfungsketten hineinzutragen und deren Einhaltung zu kontrollieren. Die Supplier Sustainability Standards identifizieren die folgenden Menschenrechtsaspekte als Fokusthemen:

  • freie Wahl der Beschäftigung
  • Ächtung von Kinderarbeit
  • Chancengleichheit und Diskriminierungsverbot
  • Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen
  • Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
  • Fairness bei Löhnen, Arbeitszeiten und Sozialleistungen

Darüber hinaus verweisen die Supplier Sustainability Standards auch auf alle anderen gültigen und international anerkannten Menschenrechte.

Menschenrechtliche Risiken systematisch angehen

Für die Achtung und Wahrung der Menschenrechte haben wir mit dem Daimler Human Rights Respect System (HRRS) einen Due-Diligence-Ansatz entwickelt. Er dient der Achtung der Menschenrechte bei unseren eigenen Beschäftigten, bei unseren direkten Lieferanten (Tier-1) sowie risikobasiert über Tier-1 hinaus an relevanten Punkten in der Lieferkette. Mit unserem systematischen Ansatz zur Achtung und Wahrung der Menschenrechte wollen wir beispielgebend in der Automobil- und Mobilitätsdienstleistungsbranche sein.

Das HRRS orientiert sich an unserem konzernweit gültigen Compliance Management System (CMS) und konzentriert sich gemäß einem risikobasierten Vorgehen sowohl auf Konzerngesellschaften inklusive unserer Produktionsstandorte als auch auf unsere Lieferkette. Seit Frühjahr 2019 steuert die neu gegründete Abteilung Social Compliance federführend die Umsetzung des HRRS und wendet hierbei bewährte Methoden und Prozesse aus dem Compliance Management an. Es ist geplant, das HRRS für Konzerngesellschaften der Daimler AG schrittweise in das Daimler-weite CMS zu überführen. Zusätzlich entwickeln wir im Rahmen des HRRS auch einen separaten Due-Diligence-Ansatz für Menschenrechte in der Lieferkette, der sich an den Grundpfeilern bewährter Compliance Management Systeme orientiert.

Als proaktives Risikomanagement zielt das HRRS darauf ab, systemische Risiken und potenziell negative Auswirkungen unseres unternehmerischen Handelns auf die Achtung der Menschenrechte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Damit dient das HRRS primär dem Schutz Dritter, den sogenannten Rechteinhabern, und soll auch in unsere Lieferkette hinein wirksam sein. Zum HRRS gehört daher vor allem auch der Austausch mit den Rechteinhabern, zum Beispiel mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie deren Vertretern, sowie externen Dritten, zum Beispiel zivilgesellschaftlichen Gruppen oder der lokalen Bevölkerung vor Ort. Das HRRS umfasst vier Schritte, die sowohl auf die Konzerngesellschaften, inklusive unserer Produktionsstandorte, als auch auf die Lieferkette angewendet werden:

6.1 Das Human Rights Respect System

Unter regelmäßiger Einbeziehung externer Stakeholder bauen wir das HRRS Schritt für Schritt weiter aus. Hierzu gehören der Austausch mit internationalen NGOs zu menschenrechtlichen Risiken beim Abbau bestimmter Rohstoffe sowie unser jährlicher „Daimler Sustainability Dialogue“.

Umfassende Risikoanalysen

Im Rahmen der Vorab-Risikoabschätzung als Teil des separaten Due-Diligence-Ansatzes für unsere Lieferketten haben wir 24 Rohstoffe und 27 Dienstleistungen identifiziert, deren Gewinnung und Weiterverarbeitung beziehungsweise deren Erbringung menschenrechtlich potenziell kritisch sind. Grundlage der Risikoabschätzung sind verschiedene internationale Referenzdokumente. Im Bereich Rohstoffe ist dies zum Beispiel die „Child and Forced Labour List“ des US-Arbeitsministeriums. Dabei spielen Abbaumethoden und -länder eine wichtige Rolle. Im Bereich Dienstleistungen ziehen wir den „Corruption Perception Index“ der Organisation Transparency International heran. Dahinter steht die Annahme, dass Menschenrechte in Ländern mit hohem Korruptionsrisiko ebenfalls einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Auch unsere eigenen Konzerngesellschaften klassifizieren wir auf Basis ihres Geschäftsmodells und der menschenrechtlichen Lage im Land systematisch nach möglichen Risiken.

Menschenrechtliche Risiken in Konzerngesellschaften identifizieren

GRI 412-1

Bei Konzerngesellschaften sieht die Risikoprüfung im Rahmen der Integration in das Daimler CMS vor, dass wir die Konzerngesellschaften regelmäßig zunächst auf Basis festgelegter Kriterien wie landesspezifischen und geschäftsspezifischen Risiken klassifizieren. Dabei berücksichtigen wir die zentralen menschenrechtlichen Normen, die sich etwa aus der internationalen Menschenrechtscharta ergeben oder die von der Internationalen Arbeitsorganisation formuliert wurden. Auf dieser Basis planen wir, eine jährliche tiefergehende Analyse mithilfe einer Menschenrechtsumfrage vorzunehmen. Zu diesem Zweck haben wir 2019 ein Pilotprojekt mit zunächst sieben Konzerngesellschaften initiiert. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse möchten wir für die Ausweitung unserer systematischen Risikoanalyse nutzen und auf die verbleibenden Konzerngesellschaften anwenden. Auf Basis dieser Analysen definieren wir risikospezifische Maßnahmenpakete und stellen sie den jeweiligen Konzerngesellschaften zur Verfügung.

Konsequentes Beschwerdemanagement

GRI 407-1

GRI 408-1

GRI 409-1

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch externe Dritte können über verschiedene Kanäle auf vermutete Menschenrechtsverletzungen hinweisen und Abhilfe einfordern – so wie es der dritten Säule der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte „Zugang zu Abhilfe“ entspricht. Zu diesen Kanälen gehören beispielsweise unser Hinweisgebersystem BPO (Business Practices Office) oder die Weltarbeitnehmervertretung.

Der Beschwerdemanagementprozess ermöglicht es auch, auf mögliche Menschenrechtsverletzungen bei Lieferanten aufmerksam zu machen. Dabei arbeiten wir eng mit der Weltarbeitnehmervertretung zusammen. Wird ein Verdachtsfall bekannt, tragen wir zunächst alle verfügbaren Informationen zusammen und fordern die Lieferanten auf, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Anschließend bewerten wir den Sachverhalt und ziehen die erforderlichen Konsequenzen. Das kann auch bedeuten, dass wir die Geschäftsbeziehung auflösen. Je nach Sachlage kann es sinnvoll sein, zusammen mit dem betroffenen Lieferanten auf eine Verbesserung der Situation vor Ort hinzuwirken.

Im Jahr 2019 wurden im Rahmen unserer Prüfungen innerhalb des Daimler-Konzerns keine konkreten Verdachtsfälle auf Kinder- oder Zwangsarbeit, auf Verstöße gegen das Recht auf Kollektivverhandlungen oder die Vereinigungsfreiheit festgestellt. Individuellen Hinweisen und Verdachtsfällen in der Lieferkette, unter anderem im Hinblick auf den Abbau von Rohstoffen durch Kinderarbeit, geht das Unternehmen konsequent nach. Dort, wo wir Handlungsbedarf identifizieren, treffen wir die erforderlichen Maßnahmen – auch zusammen mit Partnern.

Um Probleme identifizieren zu können, folgen wir darüber hinaus auch konkreten Hinweisen, die über NGOs direkt an uns herangetragen werden.

Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte

GRI 103-2

Transparenz schaffen, sensibilisieren, überprüfen: Um die Achtung und Wahrung der Menschenrechte bestmöglich sicherzustellen, setzen wir weltweit eine Vielzahl von Maßnahmen um. Dabei ist klar: Wir können Herausforderungen im Bereich der Menschenrechte nicht im Alleingang begegnen, sondern nur gemeinsam mit Mitarbeitern, Lieferanten, Geschäftspartnern und der Politik.

Menschenrechtstrainings und -workshops

GRI 410-1

GRI 412-2

Mit unserer Verhaltensrichtlinie informieren wir unsere Beschäftigten über das Thema Menschenrechte und sensibilisieren sie für entsprechende Risiken. Die darin enthaltenen Bestimmungen sind für alle Beschäftigten der Daimler AG sowie für alle Beschäftigte in den kontrollierten Daimler-Konzerngesellschaften bindend. Je nach Tätigkeitsbereich gehören verpflichtende Trainings mit entsprechenden Inhalten zum Onboarding-Prozess neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Berichtsjahr haben wir unter anderem auch die regional verantwortlichen Mitglieder der weltweiten Sicherheitsorganisation des Konzerns durch ein Training für das Thema Menschenrechte sensibilisiert.

Bewusstsein schaffen bei Lieferanten und Vertriebspartnern

Auf Grundlage der Nachhaltigkeitsstandards für Lieferanten und unserer Verhaltensrichtlinie haben wir im Berichtszeitraum das „Supplier Compliance Awareness Module“ entwickelt. Es unterstützt Lieferanten beim Umgang mit möglichen Integritäts- und Compliance-Risiken. Außerdem machen wir darin deutlich, welche Erwartungen wir in puncto Integrität an Lieferanten stellen, und informieren zu rechtlichen Vorgaben und ethischen Standards. Das Modul wird über das Daimler Supplier Portal allen Lieferanten zur Verfügung gestellt und kann dort rund um die Uhr von ihnen genutzt werden. Zudem haben Lieferanten die Möglichkeit, es an ihre eigenen Geschäftspartner in der Lieferkette weiterzugeben.

Das Modul orientiert sich an dem bereits seit 2016 bestehenden allgemeinen „Compliance Awareness Module“ für Vertriebspartner, das diese auf aktuelle Compliance-Anforderungen aufmerksam macht. Menschenrechte ist eines von elf Compliance-Themen, für die wir relevante Lieferanten und Vertriebspartner im Rahmen des Moduls sensibilisieren.

Spezifische Informationen zur Qualifizierung unserer Lieferanten finden Sie im Kapitel Nachhaltiges Lieferkettenmanagement.

Offener und konstruktiver Austausch mit Lieferanten

Im Dienstleistungsbereich führen wir Sensibilisierungsmaßnahmen zum Thema Menschenrechte durch. Im Rahmen von „Good Practice Sharing Workshops“ kommt ein funktionsübergreifendes Team aus dem Einkauf dafür mit Lieferanten zusammen. Das Format basiert auf einem offenen und konstruktiven Erfahrungsaustausch zwischen den Lieferanten sowie der klaren Kommunikation unserer Erwartung an diese Geschäftspartner. 2019 fand ein „Good Practice Workshop“ mit sieben Lieferanten des Einkaufsbereichs International Procurement Services statt, die aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen stammen. Im Vorfeld des Workshops haben alle Lieferanten einen Fragebogen erhalten, mit dem sie ihren Status im Bereich der Menschenrechte bewerten konnten. Die Ergebnisse dienten dann als Gesprächsgrundlage für den gemeinsamen Austausch. Dabei nutzten die Lieferanten den Workshop auch, um selbst Verbesserungsmöglichkeiten anzusprechen und entsprechende Maßnahmen festzulegen.

Soziale Standards für Werk- und Dienstverträge

Unsere Standards für die Vergabe und Durchführung von Werk- und Dienstverträgen gehen in vielen Bereichen über die geltenden gesetzlichen Regelungen hinaus. Sie enthalten Anforderungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, zu Unterbringung und Vergütung, zum Einsatz von Zeitarbeitnehmern, zur Beauftragung von Subunternehmern sowie zur Vermeidung von verbotener Scheinselbstständigkeit. Dies gilt für alle Aufträge, die mehr als zwei Monate umfassen und die physisch auf dem Betriebsgelände der Daimler AG in Deutschland ausgeführt werden. Alle relevanten Werkvertragsunternehmer beziehungsweise Dienstleister müssen eine Erklärung unterschreiben, dass sie die Standards einhalten. Nur unter dieser Voraussetzung kommen sie für Aufträge infrage. Ein Audit-Team des Einkaufs überprüft, ob die Standards in Deutschland eingehalten werden.

Mitgliedschaft in Branchenverbänden und Initiativen

Daimler engagiert sich in verschiedenen Verbänden und Initiativen, die sich mit dem Thema Menschenrechte auseinandersetzen. Dazu gehören:

  • UN Global Compact: Daimler ist Mitglied der LEAD-Gruppe und Teilnehmer in zwei sogenannten Action Platforms (Decent Work in Global Supply Chains und Reporting).
  • Deutsches Global Compact Netzwerk: Daimler ist Themenpate für Menschenrechte und Mitglied im Lenkungskreis.
  • econsense – Forum für Nachhaltige Entwicklung: Daimler ist Themenpate für Menschenrechte und Mitglied in der Arbeitsgruppe Supply Chains.

Darüber hinaus war Daimler Initiator und mehrfacher Gastgeber des „Human Rights Roundtable der Automobilindustrie“, der Vertreter der Automobilindustrie und der Politik zusammengebracht hat. Thema waren vor allem die Herausforderungen, vor denen die Automobilindustrie bei der Umsetzung von menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten steht. Ziel ist es, gemeinsam Standards zu etablieren und durchzusetzen.

Rohstoffinitiativen als wichtige Plattformen

Daimler verfolgt einen risikobasierten Ansatz. Das bedeutet: In Rohstofflieferketten mit einem hohen Risiko für Menschenrechtsverletzungen ist es unser Anspruch, größtmögliche Transparenz über die vorgelagerten Wertschöpfungsstufen zu schaffen. Auf diese Weise wollen wir die menschenrechtlich kritischen Punkte identifizieren sowie zielgerichtete Maßnahmen definieren und umsetzen.

Zusätzlich zu unseren eigenen Maßnahmen engagieren wir uns in Rohstoffinitiativen. Sie ergänzen unsere Aktivitäten für einen verantwortungsbewussten Rohstoffbezug und können deren Wirkung verstärken. Im Fokus steht dabei der verantwortungsvolle Umgang mit Kobalt, Stahl und Aluminium. Aktiv beteiligt sind wir deshalb unter anderem an der Responsible Minerals Initiative, der Responsible Steel Initiative und der Aluminium Stewardship Initiative. Über eine zielgerichtete Zusammenarbeit mit relevanten Stakeholdern in den rohstoffspezifischen Lieferketten möchten wir dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Menschenrechtsverstöße beim Abbau von Rohstoffen zu vermeiden. Die Initiativen fungieren dabei als wichtige Plattformen. Sie stellen anspruchsvolle Mechanismen bereit, zum Beispiel, um die Herkunft von Materialien wie Kobalt, Stahl oder Aluminium nachvollziehbar zu machen.

Kontrolle ausgewählter Rohstofflieferketten

GRI 414-1

Bei der Produktion von Fahrzeugen benötigen wir einige Rohstoffe, bei denen es der Fall sein kann, dass sie teilweise unter menschenrechtlich kritischen Bedingungen abgebaut oder verarbeitet werden. Die Lieferketten dieser Rohstoffe zu kontrollieren, hat für uns deshalb hohe Priorität. Daher arbeiten wir im Rahmen des HRRS an einer frühzeitigen Erkennung und Vermeidung von Risiken und negativen Auswirkungen. Bis Ende 2020 sollen deshalb 20 Prozent aller Rohstoffe mit hohem Risiko einer Überprüfung unterzogen werden, bis 2025 sollen es 70 Prozent sein.

Kobalt

Der Rohstoff Kobalt steht wegen der potenziellen menschenrechtlichen Risiken in der Lieferkette besonders im Fokus. Dabei wird die Nachfrage nach Kobalt aufgrund der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte zunächst weiter steigen. Nach einem im Jahr 2018 gestarteten Pilotprojekt haben wir 2019 ein externes Auditunternehmen für ein dreijähriges Programm beauftragt. Seine Aufgabe ist es, die Kobaltlieferketten der zum Zeitpunkt der Beauftragung bestehenden Batteriezell-Lieferanten der Mercedes-Benz AG nach OECD-Standards zu kontrollieren. Ziel des ersten Jahres ist es, die Kobaltlieferketten unserer Batteriezell-Lieferanten schrittweise zu auditieren. Dabei werden sowohl die Downstream-Lieferanten (von den Batterieherstellern bis zu den Raffinerien) als auch die Upstream-Lieferanten (von den Raffinerien bis zu den Minen) bewertet. Audits wie diese nutzen wir, um Lieferanten zu bewerten sowie Risiko-Hotspots und Verbesserungspotenziale zu identifizieren.

2019 wurde ein Großteil der Downstream-Lieferanten bereits auditiert; einzelne Audits bei Kathodenherstellern, weiteren Raffinerien sowie insbesondere bei Schmelzen und Minen stehen noch aus. Erste Erkenntnisse aus den Überprüfungen zeigen, dass die auditierten Unternehmen noch Mängel bei der Etablierung von Due-Diligence-Systemen nach OECD-Standards aufweisen. Dabei handelt es sich um Systeme, mit denen auf die sorgfältige Einhaltung der Menschenrechte hingewirkt werden soll. Bei Materialkontrollen schneiden die auditierten Unternehmen grundsätzlich besser ab. Gab es im Zuge der Audits Verbesserungsbedarf, wurden mit den Lieferanten individuelle „Corrective Action Plans“ erarbeitet, also eine Liste mit Korrekturmaßnahmen, die der Lieferant abzuarbeiten hat. Je nach Schwere der gefundenen Mängel erhalten die Lieferanten dafür unterschiedlich lange Fristen. Die Umsetzung der Maßnahmen halten wir kontinuierlich nach. Sie tragen unter anderem zu einer verbesserten Due Diligence bei. Im Berichtsjahr arbeiteten einige Lieferanten bereits an der Umsetzung solcher Verbesserungspläne; mit anderen stimmen wir sie derzeit noch ab. Akzeptiert ein Lieferant den Verbesserungsplan nicht, treten wir mit dem Unternehmen auf der Ebene darüber in Kontakt, um auf die Akzeptanz und Umsetzung der Pläne hinzuwirken. Da in diesem Fall keine direkte Vertragsbeziehung besteht, haben wir jedoch keine rechtlichen Durchgriffsmöglichkeiten.

Langfristig rückt auch das sogenannte Capacity Building beim Lieferanten immer stärker in den Fokus. Ziel ist es, die Kompetenzen der Lieferanten so weiterzuentwickeln, dass sie ihre Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte wahrnehmen können.

Glimmer (Mica)

Die Lieferkette des Materials Glimmer, das in Fahrzeuglacken vorkommt und damit nicht direkt von Daimler bezogen wird, ist vom HRRS als eines der kritischen Materialien identifiziert worden. Denn der Abbau von Glimmer wird immer wieder mit Kinderarbeit in Indien in Verbindung gebracht. Deshalb haben wir 2018 die Lieferkette des Rohstoffs Glimmer überprüft – von der Mine bis zur Lackierung der Mercedes-Benz Fahrzeuge im Werk. Unter anderem hat ein Team aus Qualitätsingenieuren und Menschenrechtsexperten dazu drei Minen und drei Verarbeiter in Indien nach menschenrechtlichen Gesichtspunkten auditiert, um vor Ort die Einhaltung menschenrechtlicher Standards zu überprüfen. Ziel des Projekts war es, Transparenz über die Glimmer- und Lacklieferkette hinweg herzustellen, um potenzielle Missstände aufzudecken und korrigierende Maßnahmen zu definieren. Im Zuge der Prüfungen haben wir darauf hingewirkt, dass ein Sublieferant von einem unserer direkten Lieferanten aus der Lacklieferkette ausgeschlossen wurde.

Wir stehen weiterhin mit dem Glimmer-Lieferanten in Kontakt, mit dem zusammen die Audits 2018 durchgeführt wurden. Dabei besprechen wir unter anderem die Umsetzung der Maßnahmen, die aus dem Audit hervorgegangen sind, und tauschen uns zu den fortlaufenden Auditierungen der Mine durch eine lokale Partnerorganisation des Lieferanten aus. Die Umsetzung und Fortschritte der Maßnahmen haben wir im Berichtsjahr mehrfach überprüft.

Naturkautschuk

Im Rahmen unseres HRRS haben wir den Rohstoff Naturkautschuk als eines der Fokusmaterialien für die Untersuchung der Lieferkette definiert. Da der Rohstoff hauptsächlich in Reifen verwendet wird, führen wir hier nicht nur eigene Lieferantenabfragen durch, sondern konzentrieren uns besonders auf die Zusammenarbeit mit Initiativen und Verbänden sowie mit unseren Partnern in der Reifenindustrie. 2019 haben wir Gespräche mit unseren wichtigsten Reifenherstellern geführt, um Risiken in der Wertschöpfungskette zu identifizieren und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Als führendes Mitglied der Brancheninitiative „Drive Sustainability“ unterstützen wir außerdem die Initiative „Global Platform for Sustainable Natural Rubber“.

Weitere soziale Bewertung von Lieferanten im Einkauf

GRI 414-1

Die Bewertung neuer Lieferanten nach sozialen Standards ist fest in den Prozessen unserer drei Einkaufsbereiche verankert. So führt der Bereich International Procurement Services, zuständig für den Einkauf von Nichtproduktionsmaterial, Bewertungen aller neuen Lieferanten in Risikoländern und sozialkritischen Einkaufsbereichen durch. Bei Mercedes-Benz Cars Einkauf und Lieferantenqualität werden grundsätzlich alle neuen Lieferanten einer Potenzialanalyse unterzogen, die auch Fragen zu Arbeitszeiten, Entlohnung und Vereinigungsfreiheit enthält. Und bei Global Procurement Trucks & Buses werden alle neuen Lieferanten im Rahmen von On-Site-Assessments durch Einkaufsmitarbeiter auch im Hinblick auf Sozialstandards überprüft. Nachhaltigkeits- und Compliance-Verstöße bestehender Lieferanten ermitteln wir unter anderem mithilfe einer regelmäßigen Datenbankrecherche. Hinweisen auf Fehlverhalten gehen wir systematisch nach.

So bewerten wir die Wirksamkeit unseres Managementansatzes

GRI 103-3

Aus der regelmäßigen Überprüfung unserer Maßnahmen sind innerhalb des Berichtszeitraums verschiedene Anpassungen unseres Managementansatzes erfolgt. Um die bisherigen Maßnahmen weiter zu systematisieren und die Integration in die Geschäftsabläufe zu verbessern, wurde 2019 die Abteilung Social Compliance gegründet. Die Abteilung ist Teil des Vorstandsressorts Integrität und Recht und steuert nun federführend die Umsetzung des HRRS.

Es ist geplant, das HRRS für Konzerngesellschaften der Daimler AG vollständig in das Daimler-weite Compliance Management System zu überführen. Zusätzlich entwickelt die Abteilung auch den separaten „Due Diligence“-Ansatz für Menschenrechte in der Lieferkette weiter. Dafür überprüft sie zunächst die bisherigen Maßnahmen.

Aufgrund seiner Bedeutung haben wir das Thema Menschenrechte im Berichtsjahr zu einem der zentralen Fokusthemen unserer nachhaltigen Geschäftsstrategie gemacht. In diesem Zuge haben wir unseren Menschenrechts-Ansatz mit messbaren Zielen und Kennzahlen hinterlegt. Die Fortschritte des Ansatzes kontrollieren wir regelmäßig und berichten sie dem Group Sustainability Board sowie dem Vorstand.

In die Weiterentwicklung unseres Managementansatzes für Menschenrechte ist auch das Feedback unserer Stakeholder aus der Menschenrechts-Arbeitsgruppe des „Daimler Sustainability Dialogues“ eingeflossen. Dort diskutieren und prüfen wir jährlich unsere Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung unseres Managementansatzes.

Anbieter/Datenschutz

Daimler AG Mercedesstraße 120
70372 Stuttgart
Deutschland
Tel.: +49 711 17 0
E-Mail: dialog@daimler.com

Vertreten durch den Vorstand: Ola Källenius (Vorsitzender), Martin Daum, Renata Jungo Brüngger, Wilfried Porth, Markus Schäfer, Britta Seeger, Hubertus Troska, Harald Wilhelm

Vorsitzender des Aufsichtsrats: Manfred Bischoff

Handelsregister beim Amtsgericht Stuttgart, Nr. HRB 19360
Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 81 25 26 315